Mal ehrlich: Würde irgendwer dem Posten als Bundesbank-Vorstand hinterherweinen, wenn er eine monatliche (m o n a t l i c h e !) Pension von 10.000 € bekommt, wenn er zurücktritt oder getreten wird? Nein, natürlich nicht. Er setzt sich statt dessen gemütlich in das riesige Eigentumshaus mit dem großen Park drumherum und schaut sich sein stetig noch weiter steigendes Einkommen an, das er mit jenem Schmöker macht, das ihn den Job gekostet, die jetzige Pension jedoch eingebracht hat.

Jener Schmöker namens “Deutschland schafft sich ab” von Thilo Sarrazin wird nun aber nicht als dilettantisch, unwissenschaftlich, rassistisch und was weiß ich einfach aus der Medienlandschaft verbannt; nein! man rührt statt dessen die Werbetrommel dafür, zerrt Sarrazin selbst von einer Pressekonferenz zur nächsten Talkshow, damit er dort die reißerischsten Bonmonts zum besten geben kann und damit nicht nur den Verkauf des Buches ankurbelt, sondern nebenbei noch dafür sorgt, daß sich die braune Gesinnung dieses Landes auch noch bestätigt fühlt.

Das Schlimmste an dem Buch ist nun allerdings, daß einige Tatsachen durchaus richtig beobachtet sind und man geneigt ist, Sarrazin ab und an zuzustimmen. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind oft schlechter in der Schule – ja. Sie – damit meint Sarrazin dann Muslime – passen sich nicht an die deutsche Kultur, an deutsche Sitten an, sondern führen in ihren Stadtgebieten ihre eigenen kleinen Kalifate und Harems. Aus all dem zieht Sarrazin nun aber völlig falsche Schlüsse. Geheime Gene seien schuld, im Grunde seien diese Ausländer nur arme Opfer der Biologie, die für ihren schlechten Charakter nichts können, aber natürlich trotzdem abgeschoben werden müssen, weil sie sonst gute deutsche Mädel mit ihrem Erbgut vergiften könnten… etc. pp. So ungefähr hört sich das an, wenn man mal etwas länger darüber nachdenkt. Und es erinnert sehr daran, was wir vor 60 Jahren in Deutschland alles schon hatten.

Wer oder was ist nun wirklich schuld? Wie in den Medien schon ausgiebig und vielfältig herausgearbeitet wurde, ist das in erster Linie die Integration. Die meisten Ausländer kommen nach Deutschland und wollen sich anpassen. Doch häufig stehen ihnen die deutsche Bürokratie und leider auch die Deutschen selbst im Weg. Es gibt sicher viele Gegenden, in denen Ausländer willkommen sind, häufig dort, wo bereits Ausländer bzw. Migranten leben und den Neuen die Integration leichter machen. In Kleinstädten oder gar auf Dörfern ist das jedoch nicht so einfach. Da hat man es sogar schon als Sachse in einem bayrischen Dorf schwer, Anschluß zu finden und am öffentlichen, dörflichen Leben teilzuhaben. Wie soll das dann erst einem völlig Fremden gehen?

Integration geschieht in allererster Linie durch Sprache. Viele Imigranten kommen nach Deutschland, ohne Deutsch sprechen zu können oder nur mit geringen Sprachkenntnissen. Er könnte die Sprache lernen, wenn er mit Deutschen leicht und schnell in Kontakt kommt, also zunächst in Sprachkursen, weiterführend in Sportvereinen, in Klubs, Bars oder auch von Städten oder Dörfern organisierten Festen. Kirchen sind natürlich auch eine Anlaufstelle, um neue Kontakte zu knüpfen, doch da das bei Muslimen wegfällt, muß diesen Menschen auf anderer Ebene gezeigt werden, daß sie willkommen sind. Das Gefühl nicht willkommen zu sein, ist jedenfalls häufig Ausgangspunkt dafür, daß Imigranten sich Menschen ihrer Nationalität suchen oder in bereits bestehende Subkulturen migranten Ursprungs geraten, die bereits Erfahrungen negativer Art, also Nicht-Anerkennung, Mißachtung, Chancenungleichheit etc. gemacht haben und diese dann ungefiltert an ihre Mitbürger weitergeben.

Das einzige, was man Thilo Sarrazin auf sein Habenkonto schreiben kann, ist, daß er mit seinem Schmöker die Debatte um Integration und Ausbildung von Imigranten angestoßen hat. Allerdings wird er das kaum beabsichtigt haben. Was er allerdings beabsichtigt hat, hat er (leider) auch erreicht: die deutsche Bevölkerung reißt sich sein Buch gegenseitig in den Buchläden aus den Händen und stimmt ihm größtenteils auch noch zu. Aber so war das ja auch schon zu römischer Zeit: Wenn ein nicht so ganz populäres Gesetz durch die Volksversammlung gebracht werden sollte, das einzeln nie akzeptiert wäre, hat man es einfach gemeinsam mit einem populären vor die Versammlung gebracht. Das Volk war von letzterem Gesetz begeistert, mochte zwar das andere nicht, war aber viel zu verblendet, um sich dieses Angebot entgehen zu lassen.

Ähnlich hat das auch Sarrazin gemacht. Sein Gesetzesantrag lautete: Ich trete freiwillig vom Amt des Bundesbank-Vorsitzes zurück, will aber eine monatliche Pension von 10.000 €. Und Herr Bundespräsident Wulff nimmt dieses Angebot natürlich dankend an.

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2 thoughts on “Ich möchte auch Bundesbank-Pensionär werden!

  1. Hey. 🙂
    Hast du das Buch denn auch selber gelesen? Obwohl ich dem auch recht kritisch gegenüberstehe, wage ich mich trotzdem nicht, solche Schlüsse zu ziehen. Einfach, weil ich nur einige aus dem Zusammenhang gerissene Fetzen aus dem Buch kenne..
    Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich es auch gut finde, dass nun vermehrt über Integration gesprochen wird. Nur leider immer noch zu selten von Politikern. :/

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  2. Nein, ich habe das Buch nicht gelesen, weil ich dafür eigentlich kein Geld ausgeben will. Vielleicht leihe ich es mir mal aus der Bibliothek, denn ich nehme doch an, daß es demnächst irgendwo leihbar sein wird. Bei meinen Zugfahrten nach und von Bochum habe ich ja genügend Zeit, so daß ich das wohl angehen werde. Ein detaillierterer Bericht folgt dann sicher nochmal, falls ich es für nötig halte, d.h. sich meine Meinung stark in die eine oder auch andere Richtung wenden sollte.
    Allgemein finde ich aber auch, daß in der Öffentlichkeit viel zu sehr der Eindruck entsteht, daß Politiker nur über ihre Diäten reden oder wie sie an Kultur und Erziehung sparen können. Sicher hat der ein oder andere vernünftige Ideen, aber die gehen eben häufig nicht in die eine Parteirichtung oder stehen nicht an erster Stelle auf der Agenda. Von daher finde ich es – wie schon gesagt – immerhin gut, daß mit dem Buch in eine offene Wunde gestoßen wird, die man nun behandeln muß, weil sie zuweilen (sicher) derart radikal formuliert ist, daß man einfach nicht schweigen kann. Man könnte Sarrazin hier natürlich Kalkül unterstellen, daß er seine Worte extra so formuliert hat, damit sie eben nicht überhört werden, nur bleibt dann immer noch sein merkwürdiges “Judengen” oder auch “Muslimgen”, was in Richtung Rassenlehre geht und so einfach nur dumm, aber auch gefährlich ist, so etwas zu sagen bzw. es auch noch zu drucken.

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