Die sonstigen Zugfahrtenniederschriften werden ja stets äußerst ausufernd, doch diesmal nicht, weil ich irgendwie nicht die Muse hatte, bereits im Zug meine Tageserlebnisse niederzuschreiben und dann abends zu Hause erst recht keine Lust mehr dazu habe. Daher folgt jetzt (aus der Retrospektive ein paar Tage später geschrieben – der Blog im Internet geht ohnehin völlig durcheinander!) mein zweiter Seminartag in Kurzfassung:

Nach dem vielversprechenden Telephonat mit der Referentin hat sie das im Seminar dann tatsächlich recht gut hinbekommen. Beim Sprechen selbst hat sie zwar immer mal wieder sehr gerne ein „genau“ eingebaut, wenn sie einem bestimmten Sachverhalt nochmals Nachdruck verleihen wollte und vom folgenden Punkt noch keinen guten Einstieg parat hatte, aber wer hat derartige Füllwörter nicht auch? Besser so als ein ausgeschriebenes und ausformuliertes Manuskript, das so schnell vorgelesen wird, daß man gar nicht folgen kann. Ein einigermaßen allgemeines Zitat führte schließlich zu einer Diskussion, an deren Ende die Frage einer Studentin stand, ob das mit der Kompetenzaufteilung zwischen den unzähligen römischen Göttern für diese nicht besser gewesen sein als für diesen einen christlichen Gott, der sich um alles zu kümmern hatte. Ohne nicht ihr – offenbar tief katholisch geprägtes – Weltbild zerstören zu wollen, konnte ich diese Frage selbstverständlich nicht beantworten, also habe ich einfach erstmal alle zum Nachdenken in die Pause geschickt, in der frommen Hoffnung, daß die letzte Bemerkung nicht den Weg ins Langzeitgedächtnis einiger Studenten schaffen würde.

Nach der Pause habe ich schließlich einfach das neue Thema, nämlich lateinische Philologie, begonnen, ohne nochmals auf den ökonomischen Aspekt der römischen Religion einzugehen. Allerdings beschäftigt mich diese Frage – wie man sieht – noch immer. Was antwortet man auf so was ohne sagen zu müssen: Kindchen, Gott existiert nicht. Den denken sich die Menschen nur aus, um für ihre Fehler nicht verantwortlich sein zu müssen. Gott hat absolut kein Problem damit, wenn er mit Arbeit und Anfragen überschüttert wird. Das kann man einem streng gläubigen Katholiken doch nicht an den Kopf werfen. Verzwickte Geschichte!

Die Rückfahrt nach Hause hat schließlich prima funktioniert. Das mit der knappen Übergangszeit zwischen Seminarende und Zugabfahrtszeit war kein Problem, allerdings habe ich diesmal keinen Promi gesehen. In Leipzig hatte ich etwa eine Stunde Übergang, die ich für einen Latte Macchiato genutzt habe. Ich glaube, das werde ich zum Ritual erheben.

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