Nachdem ich meinte, gestern Abend mit den Karteikarten noch nicht fertiggeworden zu sein, setzte ich mich nach dem Aufstehen da noch mal dran, um noch ein bißchen was zur Geschichte des Moritz-Grabes zu notieren. Aus Erfahrung hätte ich wissen sollen, daß derartig nachträglich Verfaßtes im Grunde gar nicht nötig ist, so wie ich noch zusätzlich schnell Hinzugefügtes für Seminarstunden zeitlich im Grunde nie schaffe, und so war es dann auch am Moritz-Grab: Zur Geschichte des Grabes und zu Johann Moritz selbst hat Jan in einem Extravortrag bereits alles gesagt, so daß ich mich lediglich um die Antiken an der Exedra zu kümmern hatte. In der Hauptsache sind das Grabinschriften und Votivaltäre aus dem frühen 3. Jahrhundert n.Chr., die man in Xanten bzw. Vetera ans Tageslicht befördert hat. Ursprünglich Originale sind heute nur noch Abgüsse der Originale in diesem sogenannten Freilichtantiquarium angebracht, vordergründig der Witterung wegen. Der berühmteste Stein (der sich auch durch die gesamte Exkursion ziehen sollte) ist dabei der sogenannte Caelius-Stein, der Grabstein des Marcus Caelius und seinen von ihm noch vor seinem Tode freigelassenen Sklaven. Berühmt ist er vor allem deshalb, weil durch den Stein dokumentiert ist, daß M. Caelius als Militär an der für die Römer verheerenden Varus-Schlacht im Jahre 9 n.Chr. teilgenommen hat. Das Legionslager Vetera diente nach dieser Schlacht als Rückzugsort der verbliebenen Truppen, und so hat auch M. Caelius hier seine letzte Ruhestätte gefunden.

Bevor wir das Moritz-Grab besuchten, durfte sich jedoch noch die Fontana Miranda unserer Anwesenheit erfreuen – eine langgezogene Anlage von etwa zwei Kilometern Länge mit Mittelkanal, Außenbepflanzungen und am anderen Ende mit einem Wasserspiel, einer Statue, einem Pavillon und schließlich – etwas erhaben als Endpunkt des ganzen – einem Obelisken. Beides – sowohl die Fontana wie auch das Moritz-Grab besitzen leider heutzutage einen etwas modernistischen Charme, befinden sie sich doch beide an viel befahrenen Straßen, so daß man die in früheren Beschreibungen so angepriesene Ruhe heutzutage vergeblich sucht. Ein zusätzliches Manko unseres Besuchs ergab sich dadurch, daß wir bei der Erläuterung der Grabsteine und Votivaltäre gegen die sekündlich vorbeifahrenden Fahrzeuge jeglicher Couleur anschreien mußten; ein anderes Manko war, daß ich verletzungsbedingt eigentlich gar nicht in der Lage war, irgend etwas geistig sinnvolles von mir zu geben.

Was war passiert? An der unteren Wand unseres Reisebusses war ein Stück Lack abgeplatzt, wo schließlich mein Finger dazwischenkam und ich mir ein Stück von eben diesem Lack in den Finger gejagt habe. Dabei wurde der halbe Fingernagel aufgerissen und entsprechend von der Fingerkuppe getrennt. Das klingt jetzt sicher viel dramatischer als es tatsächlich war, nichtsdestoweniger tat und tut es noch immer weh; es hackt, klopft und zieht, und ganz allgemein fühlt es sich so an, als hätte ich mir tatsächlich ein Stück Buswand in den Finger gejagt. Wäre sicher sinnvoll, wenn ich damit noch mal zum Arzt gehe. Jedenfalls lief ich dann bis zum Abend mit einer Taschentuchbinde, die mit zwei Pflastern fixiert worden war, herum und erklärte beim Moritz-Grab unter Schmerzen, was auf den Grabsteinen und Votivaltären irgendwann einmal zu sehen war und heute verwittert ist. Etwas schade war, daß uns am Moritz-Grab der Sonnenuntergang viel zu schnell dazwischengekommen ist und wir in der Zeit der freien Verfügung im Grunde gar keine Schrift mehr erkennen konnten. So schwer es auch fällt, aber die nächste IPS-Gruppe, die ihre Exkursion im Spätherbst antreten wird, sollte dann wieder zwei Stunden früher nach Kleve fahren.

Im Anschluß sind wir völlig ausgehungert im Großmarkt eingefallen, um uns Verpflegung – vor allem flüssiger Art – für die nächsten zwei Tage zu organisieren, und während in der Hauptsache die Jungs der IPS-Gruppe bis gegen 3:00 a.m. mit Bier und Wein die Nacht zum Tage gemacht haben, bin ich nochmals den Power-Point-Vortrag für morgen durchgegangen. Im Bett liegend wollte ich auch noch des Tacitus Erzählung zum Bataveraufstand (in den Historiae) lesen, doch leider, leider sind mir darüber die Augen zugefallen.

One thought on “Marcus Caelius und mein rechter Ringfinger (24. November 2010)

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