Nach dem unbefriedigenden Rangers-Spiel von gestern Abend, das ich beim Verfassen des gestrigen Tages bereits verdrängt hatte (0-1 zu Hause gegen Manchester United), bin ich erst gegen 3:00 a.m. ins Bett gegangen und habe so gerade noch mitbekommen, daß einige Jungs der IPS-Gruppe nach draußen gegangen sind. Heute Morgen wollten sie uns dann partout nicht sagen, was sie dort getrieben hatten. So genau haben wir allerdings auch nicht nachgefragt. Daß viel Alkohol geflossen war, mußten wir allerdings nicht vermuten. Spätestens, als einer der Jungs im Archäologischen Park Xanten (= APX) sich über einem antiken Stein übergeben hatte, dürfte allen klar gewesen sein, daß am Abend zuvor keine Apfelsaftparty stattgefunden hat. Es hätte natürlich auch ein Statement zum APX sein können, doch zugunsten meines Fachbereichs ignoriere ich dieses Argument.

Nach dem Frühstück gegen 8:00 a.m. sollte dann jemand zu uns kommen, der den Studenten einen Vortrag zur Museumsdidaktik hält: welche Konzepte es gibt, wie man Besucher in einem Museum begeistern und / oder an ein bestimmtes Thema heranführen kann sowie Exponate anschaulich präsentiert – das ganze Theoretische eben zum heute auch noch anstehenden Besuch des RömerMuseums in Xanten. Wer um 9:00 a.m. allerdings nicht da war, war der Museumspädagoge. Ich erinnerte mich daran, daß in meiner Präsentation eine einzige, einsame Folie zur Museumsdidaktik relativ losgelöst vom restlichen Thema beigefügt war und nahm die schlußendlich als Grundlage, um etwa fünf Minuten zu einem Thema zu referieren, von dem ich keine Ahnung habe – so was lernt man allerdings auch im Studium. Eigentlich hätte ich dafür auch keine Folie benötigt. Dennoch bleibt bei alldem ein negativer Punkt bestehen, denn der Museumspädagoge, der für den Vortrag bezahlt worden ist, blieb selbstverständlich verschwunden. Wir mutmaßten für den Bruchteil einer Sekunde, daß er uns eventuell im APX erwartete, daß entsprechend ein Mißverständnis zu seinem Fehlen am von uns angenommenen Ort geführt hat, doch diese Exkursion existiert bereits so lange, und die vereinbarten Orte sollten entsprechend klar sein, daß derartiges nicht vorkommen sollte.

Ich hangelte mich nun anhand der Präsentation nicht nur durch die Museumspädagogik, sondern vor allem durch Caesars Präsenz am Rhein, die Feldzüge des Drusus und des Tiberius in Richtung Elbe, die verheerende römische Niederlage im Jahre 9 n.Chr. bei Kalkriese gegen Arminius und als krönenden Höhepunkt den Bataveraufstand mit der Entwicklung des Militärlagers Vetera I zu Vetera II sowie die Gründung und Entwicklung der Colonia Ulpia Traiana (C.U.T.) des Kaisers Traian. Schließlich mußte ich am Ende noch die Franken einfallen lassen, so daß die C.U.T. untergehen konnte.



Und dann ging es endlich bei recht gruseligem Wetter (naß-kalt) mit dem Bus zum Objekt, das zuvor erst theoretisch erschlossen worden ist: zum APX. Eintritt mußten wir alle nicht zahlen, da wegen des Wetters alle Besucher honoriert wurden, die den Weg in den Park trotzdem fanden. Die Führung mußte trotzdem (oder gerade deshalb?) bezahlt werden. Der erste Teil davon deckte sich nun beinahe mit dem, was ich mittels meiner Präsentation erzählt hatte, außerdem sprach die gute Frau in einem Tonfall, als hätte sie eine Gruppe Sechsjähriger vor sich. Diese Eigenart ist mir jedoch bereits mehrfach aufgefallen: Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto mehr scheinen Museen für ein jüngeres Publikum konzipiert zu sein. So soll der APX mehr ein „Erlebnispark“ sein und das RömerMuseum, das auf den Grundmauern der großen Thermen errichtet wurde, quillt beinahe über vor Spielen, Aktionen und Betätigungsmöglichkeiten. Es gibt auch viel Medieneinsatz; so ist beispielsweise die Karriere eines Römers mittels einer interaktiven Schiebetafel übersichtlich und informativ umgesetzt, aber insgesamt gesehen ist mir dort alles zu überfrachtet, nicht unbedingt an Exponaten, aber an medialer Präsentation, weil man die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters offenbar vollständig ausschöpfen wollte und nicht daran gedacht hat, daß man den Besucher mit all dem schlicht überfällt und überfrachtet. Das beginnt bereits im Eingangsbereich, wo stilisierte Kühe, Punkte auf dem Boden und eine angedeutete germanische Hütte das Leben der vorrömischen Bevölkerung andeuten sollen. Immerhin können das die Museumswärter mittlerweile erklären, nicht wie kurz nach der Eröffnung des Museums, als auf Fragen die Punkte betreffend nur ein bedauerndes Schulterzucken zu erwarten war (so jedenfalls nachzulesen in einem Zeitungsartikel von 2008).

Was später in der Ausstellung zu sehen ist, kann man bereits im Souvenirshop sehen resp. käuflich erwerben: römische Spielsachen vor allem, auch ein paar Bücher und Öllämpchen. Im Grunde muß man sich nur den Shop eines Museums ansehen und man weiß sofort, ob sich ein Besuch des Museums noch lohnt oder ob man sich das schenken kann. Dennoch konnte ich selbstverständlich an dem Shop nicht vorbeigehen, ohne die neueste Ausgabe der Antiken Welt zu erwerben, vor allem, da darin eine Ankündigung zu der ersten „Lawrence-von-Arabien-Ausstellung“ auf deutschem Boden in Oldenburg über eine halbe Seite vorzufinden war. Dazu kam ich auch nicht um den Museumskatalog herum, vordergründig deshalb, weil ich von den Exponaten und der medialen Präsentation derart überfrachtet war, daß ich mir das alles noch mal in aller Ruhe anschauen wollte.

Ich glaube, das RömerMuseum im APX ist eines der wenigen Museen, für das man zwei Tage einplanen sollte. Mittagessen sollte man sich allerdings mitnehmen oder gleich in der ohnehin nahegelegenen Stadt Xanten zu sich nehmen. Denn: Wir haben in der restaurierten Römerherberge diniert, wo zum einen die Bedienung wahlweise unfreundlich oder inkompetent (auf besonderen Wunsch auch beides) war, zum anderen das Essen für einen Preis von circa €12-15 lediglich dem Sattwerden diente (und selbst das funktionierte nicht bei allen). Man konnte wählen von einer römischen und von einer klassischen Speisekarte, von der die meisten des IPS-Kurses ein Schnitzel mit Pommes genommen, jedoch mehrheitlich konstatiert haben, daß das Schnitzel nicht ganz durchgebraten gewesen sei. Anderes sei versalzen gewesen, und so waren auch meine grünen Bohnen, die als Beilage zu meinem gekochten Zander dienten, wohl mehrfach durch den Salztopf gezogen worden. Mein Essen befand sich, da es von der römischen Karte stammte, auf einem Römerteller, der normalerweise etwas länger warm hält und das Essen nicht so schnell auskühlen läßt. Normalerweise, denn dieses Essen kam bereits halbwegs lauwarm bei mir an. Und der Zander besaß noch sämtliche Gräten bei sich, was nicht schlimm gewesen wäre, wenn ich mein Essen hätte deutlich sehen können. Doch leider herrschte in dem Raum ein leicht diffuses Ambiente vor, das mich lediglich auf Verdacht essen ließ.

Aufgrund des verregneten Wetters sind wir anschließend in der Zeit der freien Verfügung nicht großartig im APX spazieren gegangen, sondern haben uns in das kleine Häuschen zurückgezogen, in dem man ein paar römische Spiele ausprobieren kann.

Schon bei leichter Dämmerung ging es den kurzen Weg vom APX nach Xanten, also in die ‚moderne’ Stadt. Dort gab es einen sehr hübschen, kleinen Weihnachtsmarkt, auf dem einmal nicht nur Freßbuden standen, sondern vor allem Stände von Händlern, die solche Dinge anzubieten hatten wie Wollpantoffeln, Essig aus vielfältigen Früchten, Bücher aus Leder und handgeschröpftem Papier etc. Am Abend – bereits wieder zurück in der Wasserburg – habe ich mir das Stück Bus, das ich tatsächlich noch im Finger hatte, herausoperiert, worauf ich endlich wieder ohne Fingerschmerzen einschlafen konnte.

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