Nach einer Woche beginne ich langsam zu realisieren, daß wirklich vorlesungsfreie Zeit ist. Vielleicht habe ich das heute so deutlich gespürt, weil Husni Mubarak endlich von seinem ägyptischen Präsidentenamt zurückgetreten ist. Schon gestern habe ich – wie viele andere mit mir – vor dem Fernseher gesessen, habe auf seine Rede gewartet und darauf, daß er seinen Rücktritt bekannt gibt. Was er allerdings nicht getan hat. Was er mit einer Dreiviertelstunde Verspätung statt dessen vom Teleprompter gelesen hat, war eine flammende Rede an “sein” Volk, die an Realitätsferne aber so gut wie nichts zu wünschen übrig ließ. Entsprechend wütend war die ägyptische Bevölkerung und die amerikanische CIA fragte sich bestürzt, was genau da eigentlich bei der Informationsübermittlung schiefgegangen war. Immerhin hatten die amerikanischen Medien etwa eine halbe Stunde vor der Rede bereits vermeldet, daß Mubarak seinen Rücktritt erklären würde, was auf besagte Geheimdienstinformationen zurückging. Entsprechend wurde die brandheiße Meldung auch brav von sämtlichen Medien anderer Länder übernommen, und die Enttäuschung war groß, nachdem Mubarak mit seiner Rede geendet hatte.

Heute Abend allerdings hat sich der “Pharao” nach Sharm al-Sheikh abgesetzt und die Regierungsgeschäfte dem Militär überlassen. Aus Rührung über die TV-Bilder? Beugte er sich dem öffentlichen Druck? Dem Militär? Oder war Mubaraks Abgang ein letzter Nadelstich ins Rückenmark der USA, nach deren verfrühter – und falscher – Pressemitteilung es ja beinahe so ausgesehen hatte, als hätten die USA bei dem Umsturz einen gewissen Beitrag geleistet (obwohl diese mit ihren regelmäßigen Waffenlieferungen wohl eher dafür gesorgt haben, daß sich Mubarak überhaupt so lange halten konnte – werde ich jetzt abgehört?). Es könnte doch sein, daß das Militär den Rücktritt im Grunde längst vorbereitet hat und Mubarak bei der Pressekonferenz nur noch eine Marionette war. Nun hat die Welt jedoch aufgrund der CIA-Ermittlungen bereits vor der Rede “gewußt”, daß Mubarak zurücktreten wird, also könnte das ganze noch etwas nach hinten verschoben worden sein, um Mubarak diese flammende Glaubt-an-mich-Ich-übernehme-die-Verantwortung-und-baue-Ägypten-schöner-auf-als-es-zur-Zeit-der-Pharaonen-je-war-Rede halten zu lassen, um die USA und deren Geheimdienst so richtig blöd aussehen zu lassen und den tatsächlichen Rücktritt einen Tag später tatsächlich als eine Überraschung verkünden zu können. Denn dann hat tatsächlich das ägyptische Volk den Umsturz herbeigeführt und die USA können sich nicht mit fremden Federn schmücken.

Sei es wie es sei: Ägypten hat nun auch seine Berliner Mauer, und es bleibt zu hoffen, daß jetzt nicht wirklich Chaos und Anarchie ausbricht, so wie es Mubarak angekündigt hatte, daß es passieren würde, wenn er sich zum Rücktritt entschließt.

In meinem eigenen kleinen Mikrokosmos bin ich gerade dabei, zum Kaffeejunkie zu werden, und daran ist nur Lisbeth Salander schuld! Die Teile Eins und Zwei der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson habe ich gelesen, und bei Teil Drei befinde ich mich gerade bei Seite 233/848. Ich hätte von Anfang an eine Strichliste machen sollen, wie viele Tassen, Becher und Kannen Kaffee die Romanfiguren innerhalb der drei Bücher eigentlich in sich hineinschütten; jedenfalls kann ich diesen Polit-Thriller gar nicht mehr ohne einen Pott Kaffee in meiner Hand lesen (bei den Zigaretten bin ich glücklicherweise etwas widerstandsfähiger). Vielen Dank, Stieg!

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