Gerade wird mir klar, weshalb ich hier nicht regelmäßig schreibe. Gut, es ist ein Grund, aber dafür einer, der in der Gründeliste sehr weit oben steht, wenn nicht gar an Position Eins: Immer, wenn mir ein gutes Thema in den Fingern kribbelt und ich drauf und dran bin, es niederzuschreiben (wie ich es gerade eben versuche), sind die ersten griffigen Sätze, die mir einfallen in Englisch – wirklich. Und dann denke ich, daß ich diesen Blog hier doch in Deutsch schreibe; da mir dann aber keine ähnlich guten ersten Sätze einfallen, verschwimmt das Thema noch bevor es richtig durchdacht und entsprechend niedergeschrieben wurde (so wie jetzt eben aus, oder wer würde behaupten wollen, daß das, was ihr gerade habt lesen müssen, besonders geschliffene Sprache sei?).

Nun dachte ich ja bereits daran, daß ich doch einfach einen englischen Eintrag schreiben könnte, wenn mir gerade nach Englisch ist und einen deutschen, wenn mir eben nach Deutsch ist, aber das hat so etwas unstrukturiertes, unfertiges, nicht wirklich… naja… ordentliches (auch wenn letzteres sicher nicht meine Haupteigenschaft ist und ich mir daher um das Erscheinungsbild dieses Blogs wohl die geringsten Sorgen machen sollte – zumal ihn ohnehin kaum jemand liest – also, weshalb mache ich mir diese Sorgen?). Mein Hauptantrieb, das ganze hier doch einer gewissen Ordnung zu unterwerfen, ist sicher die Möglichkeit, daß Menschen auf diesen Blog stoßen und nicht sofort wieder abgestoßen werden sollen. Jeder Gast ist ein Glücksfall, der gehalten und dazu animiert werden soll, weiterzulesen, sich umzuschauen und nach Möglichkeit einen netten Kommentar zu hinterlassen. Kommentare sind immerhin dieses kleine positive Element eines öffentlichen Blogs. Wenn es mir nicht um Kommentare gehen würde, um Kommunikation mit Menschen, die ich sonst nie in meinem Leben treffen würde (und mit denen ich mich vermutlich nie unterhalten würde – wer weiß), dann könnte ich auch weiterhin ganz für mich allein in mein Tagebuch schreiben, und niemand würde das zu lesen bekommen. Möglicherweise sind meine Einträge auch dergestalt, daß niemand etwas dazu zu sagen hat. Vielleicht stelle ich Fragen, die nicht beantwortet werden können, weil sie entweder zu allgemein gestellt sind oder zu hintersinnig, um sie als Frage überhaupt wahrzunehmen (meist ist das auch mein Problem in meinen Seminaren – die Studenten kapieren einfach nicht, wann genau ich etwas von ihnen wissen will).

Ein weiteres Problem könnte sein, daß ich im Grunde nie das schreibe, was ich ursprünglich intendiert hatte. Jetzt zum Beispiel, hier in diesem Eintrag lamentiere ich nun schon seit geraumer Zeit darüber, was ich nicht hier schreiben will, so daß die meisten meiner Leser zum jetzigen Zeitpunkt bereits abgesprungen sein sollten und nun nicht mehr mitbekommen, was ich der Welt eigentlich mitteilen wollte.

Mein eigentliches Thema sollten die Kapitel 2 und 3 aus Roy Keanes Autobiographie sein, und weshalb nun das ganze Vorgeplänkel, fragt sich jetzt der erschütterte Leser. Ganz einfach: weil ich eben die (englischen) Zitate aus diesem Buch ursprünglich in der Verfassersprache kommentieren wollte, dann aber überlegt hatte… naja: obiges Dilemma muß ich jetzt nicht nochmal durchkauen. Die vergangene Feiertage über hatte ich noch ein weiteres Problem ganz anderer Art: mir fehlten nämlich Buchmarkierer (diese kleinen, selbstklebenden, bunten Zettelchen – gibt es dafür einen offiziellen Begriff?), mit denen ich die besten Stellen aus dem Buch kenntlich machen konnte. Das sind nun aber leider so viele, daß meine verbliebenen Markierer einfach nicht genügten und ich nicht mehr weiterlesen konnte, weil ich in dem Buch einfach nichts anstreichen wollte oder es sonstwie verschandeln.

Kapitel 1 endet ja damit, daß Roy seinen ersten Profivertrag bei Nottingham Forest unterschreibt, und Kapitel 2 beginnt damit, daß er darüber zuviel gefeiert hat und in der Vorsaison nun die ganze Härte eines englischen Trainingslagers unter Brian Clough zu spüren bekommt. Zunächst für die Reservemannschaft eingeteilt, zeigt sich ihm dort jedoch, daß die mit der ersten Team kaum zu vergleichen ist:

In the reserve team dressing room my youthful joy was not the norm. I was surprised, shocked even, by the attitude some players displayed. They moaned about everything. Some because they weren’t included in the first team photo shoot, which they seemed a bad omen for the coming season. Perhaps it was, but fuck it, you could do something about it! — (p. 25f.)

Roy Keane ist nicht einer dieser Fußballer, die mit zehn Jahren zu einem der großen Klubs in England gekommen ist. Mit Rockmount spielte er zwar in einem der erfolgreichsten irischen Jugendteams seiner Zeit, doch sein großes Handicap war, daß er bei Auswahlen oder wenn es zur nächsten Stufe gehen sollte, stets übergangen wurde, weil er an Körpergröße zu klein war. Die fehlenden Zentimeter seiner Jugend immer aufs neue kompensieren zu müssen, hat ihn sicher zu dem gemacht, der er später als Spieler für Manchester United war: Wenn er nicht körperlich auffiel, mußte er das mit seiner Spielweise, mit seinem unbändigen Willen, gewinnen zu wollen. In seinen späten Teenagerjahren hatte sein Körper dann doch noch ein Einsehen und ließ ihn auf immerhin noch 1,78m wachsen, doch die Erfahrung als stets kleinster und schmächtigster Junge bei Rockmount sollte er mit in seine Profilaufbahn nehmen. Bei Nottingham nun dauerte es nicht lange, bis er sein erstes Spiel in der ersten Mannschaft des Vereins absolvieren sollte:

To make myself useful, I began to help the kit man lay out the gear.
‘Irishman, what are you doing?’
‘Helping?’ I replied.
‘Well get hold of a number 7 shirt. You’re playing.’
‘Excuse me?’
‘You’re playing.’
I was shocked.
Fortunately, there was no time to think too much about the circumstances of my debut in the First Division. Against the best side in Britain. At Anfield. In the space of forty-five minutes there is enough to do. Like introducing myself to Forest’s established first-teamers, none of whom knew who the hell ‘Irishman’ was!
During the warm-up on the pitch I’m still answering the question ‘What’s your name again, son?’
‘Roy,’ I tell them.
They were great. The collective message was: ‘Good luck, son.’ — (p. 31f.)

Sein erstes Heimspiel mit der ersten Mannschaft gegen Southampton, zu der Roys Familie von Cork nach England gekommen war, endete mit einem 3-1 Sieg, zu dem Roy das erste Tor beigesteuert hatte.

I was in the dressing room heading for the bath whe Archie Gemmill came in and said that the boss wanted me to go back out to the dug-out. Surprised, I followed Archie outside. I was even more surprised when Brian Clough embraced me and planted a kiss on my cheek, to the delight and amusement of the crowd. — (p. 34)

Brian Clough war zwar nicht immer der nette Onkel mit dem großen Hund, der kaum auf dem Trainingsgelände erschien. Er konnte auch anders. Roy Keane in der Halbzeitpause mit einer rechten Geraden niederstrecken zum Beispiel, nachdem sein Fehlpaß zu einem gegnerischen Tor geführt hat. Doch diese im wahrsten Sinne des Wortes harte Hand führt Roy in seinem Buch als Grundlage seiner steilen Karriere an. Er brauchte die alte Schule im Training und führt sie heutzutage als Trainer wohl selbst zu großen Teilen fort, weshalb er zuweilen Probleme mit Spielern zu haben scheint, die lieber verhätschelt und gestreichelt werden wollen.

In Irland hat jeder Fußballer sein ganz persönliches Lieblingsteam – wie überall. Meist ist das die Mannschaft aus der näheren Umgebung, zusätzlich aber eines aus der ersten Liga in England. Zu Roys Jugend hieß die noch First Division, und so ziemlich jeder mochte Manchester United oder Liverpool. Über Roys Begründung, weshalb sein Team Tottenham Hotspur war, habe ich herzlich gelacht, konnte es aber auch nachvollziehen, weil das bei mir ähnlich ist: Er mochte Tottenham vor allem, weil es gerade nicht Man United oder Liverpool war. Er wollte kein Team mögen, das jeder aus seiner Umgebung mochte – er wollte schlicht etwas eigenes. Und dann eines Tages mit Nottingham selbst gegen Tottenham spielen zu können, war etwas ganz besonderes für ihn:

Stuart Pearce and Des Walker, Gazza’s England team-mates, warned me before the game that he would try to wind me up. This he duly did, the thrust of his ‘verbals’ being that I was an Irish wanker who couldn’t fucking play. A lot of the talk was lost on me. I couldn’t understand his thick Geordie accent. He was actually very funny. Alas, for such a superbly gifted player to spend so much energy trying to get me going seemed a waste. — (p. 35)

Neben dem Fußball, den 90 Minuten an jedem Wochenende und den Trainingsstunden, gab es natürlich auch noch die Freizeit und damit die Stunden der Muse, die Roy als schüchterner irischer Junge hauptsächlich damit verbracht hat, trinkend die Kneipenszene von Nottingham zu ergründen, dabei jedoch mit ein paar Klischees aufzuräumen:

Bord Failte, the Irish Tourist Board, marketed my native country as a land of green fields and mountains, full of happy Guinness-drinking folk who loved to fish. When I explained to new acquaintances that I neither drank Guinness nor fished, they were surprised. I came from urban Ireland, the part that doesn’t feature in tourist brochures. Therefore, Nottingham was in more respects like home. — (p. 36)

Daß Roy dem gerne als irisches Nationalgetränk bezeichneten Guinness abschwor, traf leider nicht generell auf Alkohol zu. Nachdem, was ich bisher gelesen habe, war wohl Heineken seine bevorzugte Marke. Und die sollte ihm später noch zum Verhängnis werden. Soweit bin ich aber noch nicht. Wie ich auch sehe, beansprucht die Besprechung von Roys Buch enorm viel Platz, so daß ich für Kapitel 3 schon mal einen späteren Eintrag reserviere. Zum Schluß jedoch nochmal Roy mit einem Statement, das man gut als Regel 2 im Standartwerk “Roy Keane Rules of Football” integrieren könnte:

Willpower and desire mattered. Indeed, the mental strength to out-battle the opposition was more important than mere technical ability. — (p. 39)

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One thought on “Reading Roy Keane, pt. II

  1. Vorneweg: Mir war definitiv bisher nicht bewußt, daß ich auch als Nicht-Wordpress-Blogbesitzer Kommentare schreiben kann, weil ich über die “Share this”-Zeile nie hinausgekommen bin (also nicht weiter nach unten gescrollt habe). Asche auf mein Haupt dafür! Heute habe ich es getan, weil ich, ausgelöst durch den ersten Teil deines Eintrags, Mitgefühl hatte und mir dachte, daß ich jetzt zwar kaum der Kommentar-Schreiber bin, den du auf deiner Wunschliste ganz oben hast (schließlich unterhalten wir uns mehr oder weniger häufig live miteinander, wodurch ich nicht in die Kategorie “Neue Leute kennenlernen” falle), aber dennoch zeigen sollte, daß ich deine Einträge lese, wenn auch manchmal mit zeitlicher Verzögerung. Deshalb habe ich gesucht und gesucht und bin am Ende (im wahrsten Sinne des Wortes) fündig geworden.

    Ganz ehrlich, ich glaube, daß jeder Blog-Schreiber (wenn er nicht gerade auf den verschlungenen und unerklärlichen Wegen des WWW zu einem kleinen Blog-Starschreiber geworden ist), sich irgendwann mit den Fragen auseinandersetzt, die du hier im ersten Teil angesprochen hast. Eigene Muttersprache oder Englisch? Woran liegt es, daß niemand meine Sache liest? Und wenn doch, warum dann nicht ab und zu wenigstens mal ein kleines Kommentarchen hinterlassen? Es gibt Zeiten, da macht es einem weniger aus, dann wieder andere, in denen man ziemlich frustriert überlegt, ob so ein Blog noch Sinn macht, wenn man “nur” über rein persönliches schreibt. Die Dynamik hinter dieser Thematik habe ich bis heute noch nicht erkannt. Ich weiß nicht genau, warum manche Seiten mehr Kommentarschreiber zu haben scheinen, andere wieder kaum bis keine, was nach meinem subjektivem Empfinden durchaus oftmals nichts mit der Qualität des zu Kommentierenden zu tun hat. Für mich ist und bleibt das ein ähnliches Phänomen wie die Sache mit den Freundeslisten, Followerlisten und wie sie noch heißen.
    Fragst du nach den Gründen in deinem speziellen Falle, dann mag es neben den allgemeinen (also denen, mit denen sich so ziemlich alle Blog-Schreiber rumschlagen) vielleicht 1) an der Länge deiner Einträge und 2) an der manchmal sehr verkopften, teilweise komplizierten Schreibweise liegen. Das kann beim Lesen schnell ermüden. Als Freund “tut” man sich das an, weil man es kennt, sozusagen gewohnt ist, dennoch eben dadurch schon am Anfang weiß, daß man am Ende etwas interessantes, lustiges oder informatives erfährt. Deshalb liest man weiter und windet sich gerne mal irgendwie durch die labyrinthartigen Teile. Nur macht man das, wenn man dich nicht kennt? Wenn man eben nicht schon am Anfang weiß, daß es am Ende doch ein Vergnügen wird? Zeit spielt da sicher auch eine Rolle. Ich glaube, es gibt Studien, die sich mit der Verweildauer von Internetseitenlesern beschäftigen. Und wenn ich das noch recht im Kopf habe, war diese Dauer früher wesentlich länger als heute. Klar, früher hatten viele noch keine eigene Seite oder Blog. Heute ist das anders, besitzt jeder gleich mehrere Accounts, sei es bei Twitter, Tumblr, Facebook, StudiVZ oder bei Blogs und Foren. Es mag nachvollziehbar und gleichzeitig auch traurig sein, daß eine Verweildauer von sagen wir 10 Minuten auf einer Seite zum Lesen eines Textes/Eintrags heute einfach zeitlich gesehen kaum noch von jemandem aufgebracht wird. Doch das ist eine Tatsache, die man als öffentlicher Blogschreiber sicherlich auch bedenken muss. Wenn dann das Lesen auch noch streckenweise schwerfällt, ist man wohl schnell den ein oder anderen bereitwilligen Leser los.
    So also mein spontaner Tip (auf den du natürlich nicht das geringste geben musst): Kürzere Einträge (lieber zwei-drei kurze, als ein langer) und weniger verschlungen. Ich weiß, du magst das, aber über die Jahre hinweg habe ich deine Schreibe ein wenig kennengelernt und weiß, daß du sehr unterhaltsam und frisch klingen kannst, wenn du einfach mal nicht zu viel nachdenkst und frisch von der Leber weg schreibst – immerhin geht es hier um einen Blog, in dem du zumeist Alltägliches, Verwunderliches, Lustiges oder Interessantes festhältst und nicht einen Artikel für eine Fachzeitschrift verfasst. Ich nehme an, daß du dann auch für den ein oder anderen Leser “greifbarer” wirst, weil man dich in deinen Einträgen erkennt. Davon ganz abgesehen, mag ein zu verkopfter, sachlicher Eintrag eventuell auch dazu führen, daß sich ein Kommentar-williger Leser gar nicht “traut” etwas zu antworten, wenn er nicht den Brockhaus in wenigstens 10 Bänden auf dem Schreibtisch zu stehen hat 😉 Außerdem mag auch dir das Schreiben leichter fallen (zumindest aber damit zu beginnen), wenn du die Ansprüche, die du an deine Texte stellst, den Themen anpasst. Da darf Alltägliches durchaus auch mal in Alltagssprache daherkommen. In die Vollen kannst du immer noch bei speziellen Einträgen gehen, die sich zum Beispiel mit deinen Spezialthemen beschäftigen und dann auch für ein entsprechendes Publikum bestimmt sind.
    Und wo ich gerade von Publikum schreibe: Mein Eindruck ist, daß man heutzutage entweder Glück oder ansonsten selbst für einen Blog einen guten PR-Berater bräuchte, um ein paar Dauerleser/-kommentierer an Land zu ziehen. Das mag dich jetzt trösten oder auch nicht. Fakt scheint jedenfalls zu sein, daß Blogschreiben nur noch dann große Massen anzieht, wenn man aus einem diktatorischen Land kommt und unter Einsatz des eigenen Lebens einen Eintrag verfasst oder… tja, ich weiß leider auch nicht, was man sonst noch tun kann und was diejenigen getan haben, die es auf mehr als zehn Leser gebracht haben. Sorry.
    Das sind also ein paar Anregungen von jemandem, der erst nach vielen Jahren des Umherirrens durch unterschiedliche, oftmals schnell wieder eingestampfte Journale/Blogs die fast perfekte Lösung für sich gefunden hat und damit sehr glücklich ist (wie die Anzahl meiner Einträge wohl belegen – zum Teil zu deinem Leidwesen, ich weiß lol).

    Und was Herrn Keane angeht… Was soll ich anderes sagen, als ein völlig unqualifiziertes “Roy, ick liebe dir, aber möge Gott geben, daß ich niemals mit jemandem wie dir zusammenarbeiten muss. Privat ein Heinecken trinken wäre da schon ehr drin.”?

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