Meine neuen Mitbewohner habe ich während meiner kurzen Stipvisite noch nicht gesehen – trotzdem bin ich mehr als bedient. Nun bin ich ja nicht unbedingt der Prototyp eines unter einem Putzfimmel leidenden Menschen, aber wenn ich mir den Weg zur Kloschüssel  erst durch mit unzähligen Kleidungsstücken wahllos dekorierten Wäscheleinen freikämpfen muß, hört bei mir der Spaß auf. Wenn ich diesen Zustand Mitte Oktober bei meiner Rückkehr ähnlich vorfinde, werde ich diesen Personen auflauern und solange dabei zusehen, wie sie die Wäsche entsorgen, bis ich die Kloschüssel von der Tür aus sehen kann.

Aber genug mit dem Lamento oder wie es bei Monty Python ja immer so schön heißt, wenn man zu faul ist, sich einen glänzenden Übergang zum nächsten Thema einfallen zu lassen: and now for something completely different.

Als ich nämlich im Bochumer Hauptbahnhof angekommen bin, trug sich eine reichlich kroteske Szene zu, die mir des Erwähnens wert erscheint. Als ich meine Wegzehrung (Salami-Ei-Baguette und Latte Macchiato) erstanden und mit kurzem Blick an die Anzeigentafel festgestellt hatte, daß mein Zug wohl pünktlich war (essentiell wichtig bei lediglich acht Minuten Umsteigezeit in Hannover!), schlenderte ich also zu Gleis 5, wobei vor mir eine etwas ältere Frau lief. Ich dachte so bei mir, ob denn Vokuhila tatsächlich wieder modern werden sollte (zugleich mit aufgebürsteten Föhnfrisuren), als sie sich abrupt umdrehte. Ihre blau belidschatteten Augen starrten mich kurz und verwirrt an, und den Bruchteil einer Sekunde später teilte sie dem Bahnhof in breitestem Ruhrpott mit: “Heut is doch gar kein Mittwoch!” Ich dachte mir nur: ‘Gut zu wissen’, setzte meinen Weg zu Gleis 5 unbeirrt fort und wartete dort schließlich auf meinen ICE nach Hannover.

Und von dort hatte ich — jedenfalls was einen Sitzplatz anbetraf — kein rechtes Glück. Den IC von Hannover bis Dresden hatte ich noch nie derart besetzt in Erinnerung gehabt, wie das heute der Fall war, so daß ich die gesamten sechs Stunden im Eingangsbereich beider Züge zubringen mußte. Dadurch ergaben sich allerdings auch ein paar festhaltenswerte Motive:

Einzelne Plätze waren zwar noch frei, doch ich wollte keinen Nachbarn, um Michaels Tagebuch ungestört lesen zu können. Als äußerst positiv hatte sich bei diesem Umstand allerdings erwiesen, daß die Tür, an der ich saß, defekt war, so daß ich nicht aufstehen mußte, um potentiellen Ein- und Aussteigern Platz zu machen. Trotz großem, gelben Hinweisschild mußte ich die meisten Fahrgäste zwar nochmals darüber in Kenntnis setzen, aber ansonsten hatte ich meine Ruhe.

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