Bereits vergangene Woche, um genau zu sein am Donnerstag, bin ich nicht ganz bester Laune aus der U-Bahn gestiegen, um die restlichen drei Schritte zu meiner Hobbithöhle zu laufen und dort dann doch noch einen gemütlichen Abend zu verleben. Doch nach anderthalb gegangen Schritten hätte ich beinahe etwas dunkles zertreten, das sich mir in den Weg gestellt, ich jedoch noch rechtzeitig gesehen hatte. Bei näherer Betrachtung handelte es sich um einen Igel, der sich sofort in sich selbst zurückgezogen hatte, als er die Gefahr kommen gesehen hatte.

Wenn ich auf ihn getreten wäre, hätte ihm das sicher nicht weiter geholfen, und seine Stacheln hätten mir nicht das geringste getan: sein Tod wäre also völlig unnötig gewesen, aber erkläre das mal einem Igel! Der Kleine war also der festen Überzeugung, es würde ihm nutzen, sich zusammenzurollen und sich stachelig zu machen. Nur meine Aufmerksamkeit hat ihn allerdings gerettet.

Nun mag ich Igel sehr gerne und wollte mir die Gelegenheit, ihn als Model zu mißbrauchen, nicht entgehen lassen. Leider war dieser Donnerstag einer der wenigen Tage, an dem ich meine Kamera in meiner Hobbithöhle gelassen hatte. Ich dachte also nicht lange nach, sondern bin sofort dorthin gelaufen, nicht ohne dem Igel noch einzuschärfen, er solle bleiben wo er ist, damit ich ihn später nicht suchen muß. Natürlich hat er das mitnichten getan und war entsprechend verschwunden, als ich keine fünf Minuten später wieder an Ort und Stelle war.

Weil ich mir das jedoch bereits gedacht hatte, hielten sich meine wüsten Verfluchungen in Grenzen, während ich das Areal im Umkreis von etwa zehn Metern nach dem kleinen Schlingel abgraste. Und als ich nach weiteren etwa fünf Minuten schon entnervt aufgeben wollte, hörte ich plötzlich die Reifen eines Autos quietschen, das ich sofort mit meinem stacheligen Freund in Verbindung brachte.

Ich lief also zum Ursprung des Geräuschs und sah dort bereits aus der Ferne einen igelähnlichen dunklen Fleck sich schnell vom Auto entfernen hin zu der an die Straße grenzende Wiese mit dem Herbstlaub der nebenan stehenden Bäume. Eine Frau entstieg aus dem Fahrzeug, als ich näher kam, schaute nach, ob sie das, was sie da im Fahren vor sich gesehen hatte, noch erwischt hat. Da das jedoch nicht der Fall gewesen war, fuhr sie schließlich bald weiter, während ich bereits auf der Wiese angekommen war und nun den Igel suchte.

Das jedoch dauerte nicht lange, denn in dem Laub konnte er sich nicht lautlos fortbewegen. Ich stellte mich also in seinen Weg und redete ihm erst mal ins Gewissen, daß er nur deshalb beinahe umgekommen sei, weil er nicht auf mich gehört hatte und daß er dafür schon eine kleine Schelte verdient hat. Das alles machte auf ihn aber wenig Eindruck, weshalb ich mit dem Blitz meiner Kamera schließlich schwerere Geschütze auffuhr, um das zu machen, was ich ursprünglich vorhatte, als ich ihn zum ersten Mal an diesem Tag gesehen hatte: Bilder.

Und nachdem ich ihn mit dem ständigen Blitzen völlig paralysiert hatte und hoffte, daß er dadurch irgendwas gelernt hat, entließ ich ihn, schaute noch kurz dabei zu, wie er sich langsam ins Unterholz trollte und schlenderte dann mit meiner Beute zurück in meine Hobbithöhle, um am Ende tatsächlich noch einen angenehmen Abend zu haben.

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2 thoughts on “Die riskanten Abenteuer eines Igels, pt. 1

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