Seit dieser doch leicht infantil anmutenden Kollektivreaktion auf die Bilder von Lars, dem kleinen Eisbären im Bochumer Planetarium bin ich heute Morgen mit dem Willen aufgewacht, mir eben diese Veranstaltung anzuschauen, und zwar Punkt 14:45 Uhr. In meinem Hinterkopf hatte ich noch ein anderes Ereignis, das um diese Zeit stattfinden sollte, abgespeichert, allerdings fiel mir das erst ein paar Minuten bevor ich losging auf: 13:30 Uhr hatte bereits das Spiel der 2. Bundesliga, VfL Bochum vs Hansa Rostock, begonnen. Ich lief gegen 14:15 Uhr, also gerade zur Zeit der Halbzeitpause, los.

Bisher hatte ich nicht wirklich eine Ahnung davon, was während einer Halbzeitpause vor einem Stadion geschieht, denn entweder war ich bisher zu dieser Zeit im Stadion oder eben nicht unbedingt in nächster Umgebung, um das Treiben zu beobachten. Ich hatte eher Respekt vor der Zeit nach den 90 Minuten (und wie ich hörte, war dieser Respekt durchaus berechtigt bei circa 50 Verletzten nach dem Spiel), so daß ich unbekümmert die Castroper Straße in Richtung Planetarium hinunterlief.

Irgendwann sah ich dann durchaus die Hundertschaften Polizeiwagen und Polizisten in Stadionnähe stehen, dachte auch da jedoch noch nicht daran, daß ich irgendwie in Schwierigkeiten kommen könnte. Durch Zufall kam ich dann jedoch zwischen eine Gruppe von etwas sechs Rostock-Fans, die wohl nach der ersten Halbzeit aus dem Stadion entfernt worden sind. Ich versuchte etwas schneller zu laufen, um ihnen zu entkommen bzw. eben nicht als ihnen zugehörig zugeordnet zu werden. Das gelang mir zwar, dann jedoch wurde ich von einer größeren Polizistengruppe auf der rechten Fußgängerseite aufgehalten. Ich wurde gefragt, wo ich hin wolle. Ich sagte: “Zum Planetarium.” Schon da konnte ich leichten Zweifel in dessen Gesicht erkennen, dachte mir aber nichts weiter dabei, daß ich auf die linke Fußwegseite verwiesen wurde. Ich solle doch dort weitergehen.

Ich tat also, wie mir geheißen wurde, kam dort jedoch zeitgleich mit einem Rostock-Fan bei einer weiteren Polististengruppe an, von denen mich einer nun aufhalten wollte. Auch er wollte wissen, wo ich hin wolle, und ich natürlich wieder: “Zum Planetarium.” Außerdem fügte ich hinzu, daß ich weder zu der Rostock-Gruppe gehörte, noch Fan sei, noch vom Spiel käme und auch hier wohnen würde. Hier setzte nun der Polizist an und wollte meinen Ausweis sehen, der bestätigen würde, daß ich in Bochum lebte. Blöd nur, daß da nur meine Hauptadresse vermerkt war, die in Dresden liegt, was dem Polizisten den Satz entlockte, daß ich nicht wirklich glaubhaft sei.

Etwas später dachte ich dann bei mir, ob er wirklich gedacht hat, daß ein Dresdner extra nach Bochum fahren würde, um Rostock zu unterstützen. Der gute Mann kann sich im ostdeutschen Fußball nicht wirklich ausgekannt haben. Auf der anderen Seite versuchte er mir zu erklären, aus welchen Gründen ich für ihn noch unglaubwürdig sei: Ich würde schließlich eine schwarze Jacke tragen und einen Hoodie in blau-weiß. Offensichtlich sind das alles Zeichen für Rostocker Hooligans, für die es einen Katalog gab, auf den ich nun aus seiner Sicht wie eine Folie paßte.

Ich habe dann noch etwas auf ihn eingeredet, auf daß er mich schließlich gehen ließ. Aber ich bin mir sicher, daß er mir im Nachhinein die Ausschreitungen nach dem Spiel zuschreibt. Ich bin nämlich nicht zum Planetarium gegangen, sondern habe nur dort in der Nähe gewaltbereite Rostock-Fans rekrutiert, um sie über einen anderen Weg zum Stadion zu lotsen, nämlich die, die nach der ersten Halbzeit des Stadions verwiesen wurden.

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