Als wenn die endgültige Rückfahrt von Bochum nach Dresden nicht schon schlimm genug gewesen wäre, mußten in Kassel auch noch zwei Schwule einsteigen, die wirklich eine Schande für ihre sexuelle Orientierung waren. Man hätte meinen können, man hätte vierjährige Kinder hinter sich sitzen, aber das zu sagen ist wohl eine Beleidigung für alle vierjährigen Kinder.

Im Grunde weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen, womit mir die beiden auf den Geist gegangen sind, denn eigentlich käme ich so aus dem Aufzählen gar nicht heraus und würde nie fertig werden. Richtig schlimm wurde es allerdings, als ich es gewagt hatte, sie darum zu bitten, sich wie normale Menschen zu verhalten. Wer weiß, vielleicht ist es für sie aber auch normal, sich wie Idioten zu verhalten. Mein Fehler also. Nicht nur, daß die Idioten also laut Musik gehört haben, sondern man fühlte sich ebenso dazu bemüßigt, den gesamten Wagen zu bespaßen — leider auf Mallorca-Humor-Basis, also mit Fäkal- und Babysprache. Scheinbar waren die beiden auch noch ein Paar, was ich mir angesichts ihrer Unförmigkeit nicht tiefgehender vorstellen wollte. Zudem wurde irgendwelche bifiähnliche Wurst, die ganz besonders lecker nach Chemie stinkt, ausgepackt und Alkohol in rauhen Mengen konsumiert.

Wie hätte ich da wohl annehmen können, daß meine Bitte irgendetwas positives bewirkt? Die beiden können auf jeden Fall froh gewesen sein, daß ich so ein friedliebender Mensch bin, denn im Grunde habe ich mich wohl gefühlt wie Kevin Kilbane in seinem Endstadium bei Sunderland, als er nur noch ausgepfiffen, schlimm beleidigt wurde und sich dann dazu herabließ — ganz entgegen seines Naturells — den “Fans” seinen Mittelfinger zu zeigen.

Während dieser etwa drei Stunden (die mir allerdings vorkamen wie dreißig!) hatte ich mehr als einmal das unbedingte Bedürfnis, mich nochmals umzudrehen und sie windelweich zu prügeln. Graham Chapman kam mir auch in den Sinn, der selbst zwar homosexuell war, auf Schwuchteln aber trotzdem stets gereizt reagiert hat, jedenfalls hat er sich in dem Foyer eines Glasgower Hotels einst mit David Bowie eine handfeste Auseinandersetzung geliefert, weil Bowie heterosexuell ist, aber mit homosexuellen Klischees gespielt hat, die Graham nicht tolerabel fand.

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