Leider war ich heute nicht live vor Ort (also vor dem Fernseher), als Joachim Gauck als 11. deutscher Bundespräsident vereidigt wurde und seine erste Rede vor dem Bundestag gehalten hat. Doch zum Glück leben wir ja im Medienzeitalter (die Epoche nach der Postmoderne), so daß ich das Video beim YouTube-Auftritt von N24 finden konnte, während die amtseigene Homepage das Manuskript zur Verfügung gestellt hat.

Zu später Stunde habe ich es mir schließlich auch nicht nehmen lassen, mir beides gleichzeitig zu Gemüte zu führen: Das Video habe ich im Hintergrund laufen lassen, während ich am Bildschirm still mitgelesen habe. Zunächst nur sporadisch haben die anwesenden Mitglieder des Bundestages und seine Gäste im Verlauf der Rede immer inflationärer von ihrem Recht des stürmischen Beifalls Gebrauch gemacht. Durchaus zu Recht; dennoch hat es meinen Redefluß erheblich gestört. Wenn ich nur das Video gesehen hätte, wäre ich über soviel Zuspruch sicher mehr erfreut gewesen.

Bleibt zu wünschen, daß sich Gaucks Kritiker nun künftig seine Reden und Texte vollständig durchlesen, bevor sie Kritik üben und nicht nur aus dem Zusammenhang gerissene Wortgruppen auf die Goldwaage legen. Angesichts meiner schlimmen Erfahrungen mit literarischen Ergüssen von diversen Studenten mag das in der Mehrheit aber wohl ein frommer Wunsch bleiben.

Oder, um das im heutigen SMS-Sprachgebrauch auszudrücken: *seufz*😦

3 thoughts on “Bundespräsident Joachim Gauck hält seine erste Rede und ich bin auf dem Friedhof

  1. Wenn’s dir hilft: ich habe im Momnt der Rede unter der Stadt verbracht, als ich mit der U-Bahn Richtung Arzt gefahren bin. Dort im Wartezimmer lief im Radio Deutschalndfunk, aber die erwähnten nur noch eine kurze Zusammenfassung und die anschließenden Meinungen der Zuhörer im Bundestag. Gut also auch für mich, daß du hier nochmal das manuskript zur Verfügung gestellt hast. Anhören werde ich mir die Rede nicht, aber lesen.

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    1. Auf dem Friedhof… unter der Stadt… gute Zeichen für die Zukunft, möchte ich meinen😉 Nach der Erfahrung von gestern Abend ist das aber eine gute Entscheidung, wenn du dir die Rede nur durchlesen willst. Wie gesagt: daß applaudiert wurde, ist zwar gut und war auch gerechtfertigt, aber teilweise auch übertrieben und einige Statements, die eigentlich zusammengehörten, wurden durch Beifall unterbrochen. Da merkte man Gauck an zwei Stellen auch an, daß er da gerne noch den zugehörigen Satz hinterhergeschoben hätte, konnte den Applaus aber nicht überschreien, was man ja auch nicht macht😉

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      1. Wenn’s denn mal so wäre, daß der Applaus nur deshalb gegeben wurde, weil es wirklich um das Gesagte ging und nicht immer auch einen Beigeschmack der Konkurrenz unter den einzelnen Parteien hätte bzw. wenn der von denen kam, die bei der letzten Wahl noch für Wulff gestimmt hatten, sowas von “Wenn ich nur laut genug klatsche und herumschreie, wie toll Gauck ist, vergisst man vielleicht, wie sehr ich beim letzten Mal noch gegen ihn war”.

        Ganz abgesehen davon finde ich, daß jetzt langsam wieder Normalität eintreten sollte. Mir macht es ein wenig Sorgen, wie Gauck momentan im Volk, in den Medien und in den meisten politischen Lager geradezu Popstar-Ansehen genießt. Nicht weil ich denke, daß uns ein böses Erwachen erwartet oder Gauck diesem Anspruch nicht gerecht werden könnte (das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht beurteilen), sondern weil es zum einen zeigt, wie sehr man sich offensichtlich in Deutschland endlich wieder nach einer Leitfigur zu sehnen scheint (im positiven “Helmut Schmidt”-Sinne), was im Grunde ein Armutszeugnis für den Rest unserer Führungsriege ist, zum anderen aber auch was vom Guttenberg-Syndrom hat: Zuerst hoch fliegen, dann abstürzen (wenn es im Falle von Gauck wohl auch mehr “Abgeschoßen” wäre, denn “sich selbst Abschießen”). Also bevorzuge ich die Variante, bei der ich erstmal abwarte und Herrn Gauck und dessen Verdienste ALS PRÄSIDENT in ein paar Monaten bewerte. Was er früher geleistet hat, hat er in anderen Funktionen mit anderen Mitteln und Möglichkeiten geleistet. Jetzt steht er viel mehr zwischen Medien, politisch anders Denkenden und dem Volk, was ganz andere Herausforderungen bedeutet.

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