In letzter Zeit war ich wieder weniger mit der Bahn unterwegs, nur einmal im Fernverkehr nach Kiel und zurück (der IC-Halt Büchen ist unbestritten ein Juwel unter Deutschlands Bahnhöfen!), einmal mit der S-Bahn nach Kurort Rathen und zurück und gestern einmal wieder nach Neukirch (Lausitz) Ost und zurück, um meine Mutter zu besuchen. Sofort bei der Ankunft wurde ich an meinen Offenen Brief an die Deutsche Bahn vom 30. April diesen Jahres erinnert, der sich auf meinen Besuch am 9. April bezog und die Antwort der Deutschen Bahn vom 19. Mai darauf. Selbstverständlich war mir klar, daß es sich nur um das übliche Bla Bla handelte und trotz beachtlicher Länge der Antwort im Grunde 90% davon ein viel verwendetes Muster sind. Es ist also mal wieder Zeit für eine Aktualisierung.

Sehr geehrte verantwortliche Damen und Herren von der Deutschen Bahn AG,

gestern, etwa zwei Monate, nachdem ich Sie über die Mißstände am Bahnhof Neukirch (Lausitz) Ost informiert habe, mußte ich feststellen, daß sich dort nicht das geringste getan hat. Mittlerweile ist es beinahe unverschämt zu nennen, wie es um den Zustand am Bahnsteig bestellt ist. Oder finden Sie die Ihnen nachfolgend zur Verfügung gestellte Ansicht der sogenannten Blumeninsel, die jedoch zur Hauptsache Unkraut enthält, attraktiv?

Irgendwo unter Disteln und Brennesseln mögen irgendwelche einst gepflanzten Blumen sein, allerdings ist von denen nicht mehr allzuviel übrig. Statt dessen wuchert das Unkraut weiter über die Begrenzung der Blumeninsel heraus direkt auf den Bahnsteig. Oder schauen Sie sich das Bahnhofsgebäude selbst an. Da hier seit Jahren kein Bahnpersonal mehr zugange ist, ist das Gebäude zum beliebten Treffpunkt der Dorfjugend geworden, die hier tun und lassen kann, was sie will und das ist leider hauptsächlich den Bahnhof zu verschandeln und ihn mit Fäkalien zu versehen. Schade, daß man mit Bildern keinen Gestank abbilden kann, andernfalls wäre dieser Brief kaum zu ertragen.

Vielleicht wollen Sie aber auch, daß das Bahnhofsgebäude irgendwann von der Natur völlig vereinnahmt ist, wie diese Ansicht implizieren könnte:

Pflanzen ranken sich am Gebäude hoch und überdecken irgendwann den schmuddeligen Zustand: ein grandioses Konzept! Und Sie hätten das eingesparte Geld übrig für Fernverkehrbahnhöfe wie Leipzig, Hamburg, Köln, Dresden etc., die zu immer größeren Einkaufstempeln ausgebaut werden können. Denn im Grunde sind diese Bahnhöfe heutzutage nichts mehr als Konsumtempel mit Bahnanschluß. Irgendwann geht man nicht mehr zum Bahnhof, um in eine andere Stadt zu fahren, sondern um einzukaufen. Und zu Bahnhöfen wie Neukirch (Lausitz) Ost geht man, um einen ursprünglichen Dschungel zu erleben? Kleinbahnhofhopping als Abenteuererlebnis: definitiv eine Freizeitbeschäftigung für die Zukunft, wenn Sie weiterhin die kleinen Bahnhöfe verwahrlosen lassen und Eigeninitiative im Keim ersticken. Denn wie bereits in meinem ersten Brief an Sie erwähnt, wäre meine Mutter dazu bereit, das Bahnsteigsgelände wieder ein klein wenig zu zivilisieren. Allerdings beschäftigen Sie lieber Fremdfirmen, die nicht einmal den kleinen Finger krumm machen bzw. einmal im halben Jahr das Unkraut zurückschneiden.

Also noch einmal: Das Bahnnetz besteht nicht nur aus Fernverkehrsbahnhöfen, sondern zum großen Teil aus Regionalbahnhöfen, die zum Teil nicht einmal überdacht sind, zum großen Teil heruntergekommen und mit Abfall zugemüllt. Tun Sie endlich etwas dagegen!

Hochachtungsvoll
Séamus Kennan

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