La tête froide (Ein kühler Kopf)

Aus der ARTE-Filmbeschreibung:

Der 17-jährige Yoann hat ein einziges Ziel vor Augen – er möchte unbedingt in einer Profiliga Fußball spielen. Doch bislang haben ihn die Talent-Scouts noch nicht bemerkt, und in seinem Alter muss er nun wirklich aufs Ganze gehen, um im entscheidenden Spiel, das in nur wenigen Wochen stattfinden soll, aufzufallen. Allerdings ist er auch Mannschaftskapitän und kämpft damit, sein Team zu motivieren. All das macht Yoann schon genug zu schaffen, da kommt zu allem Überfluss auch noch ein neuer Spieler, Thomas, in den Verein. Schnell wird Yoann klar, dass dieser mindestens so talentiert ist wie er selbst, und es kommt zu Animositäten zwischen den beiden Sportlern. Oder hat Yoann andere Gründe für seine Ablehnung?

Der französische Kurzfilm lebt vor allem von seinen intensiven Bildern und den vermittelten Emotionen. Er zeigt, was es für einen Fußballer, der gerade seine Karriere starten will, bedeutet, wenn er entdeckt, daß er homosexuell ist. Zunächst ist er erschrocken über sich selbst, will es nicht wahrhaben, versteckt sich hinter einer selbst aufgebauten Mauer aus latenter Aggressivität und betonter Männlichkeit. Er lügt seine Mannschaftskameraden an, weil er die eventuellen Folgen nicht abschätzen kann. Am Ende (oder am Anfang?) steht er endlich zu sich selbst. Ob ihn das in seinem Bestreben als Fußballer weiterzukommen hilft oder ihn eher behindert, wird nicht mehr gezeigt, jedoch kann sich jeder darüber seine eigenen Gedanken machen.

Für mich ist das ein sehr gelungener Film, der darüber nachdenken läßt, was die Gesellschaft Fußballern eigentlich damit antut, nicht zu ihrer sexuellen Identität stehen zu können, sich verleugnen zu müssen, um erfolgreich zu sein. Man spürt, daß all diese Vorurteile unterschwellig mitgedacht werden, wenn ein Jugendlicher erkennt, daß er anders ist und sich dann so zu verhalten versucht, wie die Gesellschaft es ihm vermeintlich vorschreibt. Wir dürfen nicht einfach nur plakative Schlagzeilen herausrufen, daß wir gegen Homophobie im Fußball sind. Es muß darüber gesprochen werden, was es bedeutet, wo denn die Unterschiede bestehen. Und wenn dann herauskommt, daß die Unterschiede so geringfügig sind, daß es im Grunde irrelevant ist, darüber zu sprechen, trauen sich vielleicht endlich ein paar Fußballer zu sagen: “Ich bin schwul, und das ist gut so”.

2 thoughts on “Movie: “La tête froide” (Ein kühler Kopf) (2011)

  1. Dann war der unbefriedigende Ausgang, von dem du gesprochen hast, deshalb unbefriedigend, weil es sozusagen kein wirkliches Endresultat gab, keine – zumindest im Film – Lösung?

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    1. Ja, genau. Ist ja im Grunde auch zumindest für den Film selbst ein dankbares Ende, weil man danach eben mehr darüber diskutieren kann, als wenn das Ende geklärt wäre.

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