KOK16

Es ist wohl nicht übertrieben zu konstatieren, daß die TU Dresden nicht unbedingt die modernsten Gebäude ihr Eigen nennen darf. Der Campus liegt zudem weit auseinander. Seminaren oder Vorlesungen darf man zuweilen in ehemaligen Gefängnis- und Militärgebäuden beiwohnen. Das ganze wirkt auf den ersten Blick wie eine bereits viel zu lange anhaltende Übergangslösung. Kürzlich habe ich von der Sekretärin meines Professors erfahren, daß ihr Lehrstuhl in etwa einem Jahr umziehen soll — die Philosophische Fakultät soll endlich räumlich zusammenrücken. Das Gebäude, in dem sie jetzt noch hausen müssen, soll innerhalb von zwei Semestern renoviert werden.

Endlich! möchte man begeistert ausrufen. Und wenn das Gebäude dann fertig ist, sollen die Architekten einziehen. Allerdings sind einige bereits eingezogen. Die müßten dann für das Jahr der Renovierung noch einmal raus. Allerdings gibt es für diesen Fall noch keinen Alternativort. Vorschlag meinerseits: Wie wäre es, wenn man über den Sportplatz, der sich gleich nebenan befindet, eine große Plane spannt und die Architekten dort unterbringt? Oder noch besser: Sie sollen sich doch gleich eine kostengünstige und platzsparende Herberge selbst entwerfen und bauen. Zusätzliches Geld gibt es allerdings nicht.

Was nun oben auf dem Bild zu sehen ist, ist die Uni-Baracke KOK16, bis vor kurzem offiziell genutzt als sogenannter ‘Freiraum’ für Studenten, in dem man in studentischer Eigeninitiative Seminare zu vielfältigen Themen abhalten, aber sich auch kreativ in Kleingruppen entfalten kann. Entstanden war das ganze im Jahr 2009 ausgehend von der Besetzung des Hörsaales POT81 (daher auch der gleichlautende Internetauftritt). Nun allerdings sollte KOK16 zum 11. Januar 2013 ersatzlos geräumt werden, da beherbergte veraltete Öfen eine Brandgefahr darstellen würden. Ein Blick auf die Baracke genügt, und es wird klar, daß da wohl nicht nur die Öfen veraltet sind. Und all das, nachdem die TU Dresden kürzlich zur Exzellenz-Uni erkoren wurde. Es war allerdings schon vorher klar, daß das Geld, das mit dieser Ernennung verbunden ist, nicht in studentische Freirauminfrastruktur gesteckt werden würde. Statt dessen kann man sich jetzt ganz bestimmt unendlich viele Zettelblöcke, Bleistifte und Radiergummis leisten.

Um nun auf die prekäre Situation hinzuweisen, haben die Besetzer von KOK16 ihren Freiraum nicht nur auffällig bunt gestaltet, sondern auch eine Online-Petition ins Leben gerufen: für exzellente Öfen! (Und vielleicht bleiben bei der Spendenaktion sogar noch ein paar Euro übrig, damit die Exzellenz ihr N bekommen kann!)

KOK16

Während die Stirnseite knallig bunt und mit mehr oder weniger sinnvollen Forderungen behangen ist, bietet die eine Längsseite ein paar griffige Slogen. Als ich obigen gesehen habe, dachte ich zunächst: herrje, bin ich jetzt in meine eigens erdachte Parallelwelt aus meinem neuen Roman gerutscht? Mein großes, rotes ANARCHY befand sich dort zwar am Hörsaalzentrum, doch die Parallelen sind schon ein wenig beängstigend, wie ich finde.

KOK16

Ja, und träumen darf natürlich auch nicht fehlen, auch wenn die Umschichtung von Radiergummigeld zu Exzellenzofengeld wohl nicht machbar sein wird.

KOK16

Was uns sogleich zum letzten großen Slogen führt, der mich doch ein wenig zum Grübeln gebracht hat, denn wie kann man etwas zertrümmern, dessen man gar nicht habhaft werden kann. Vor allem fehlt die Alternative. Der real existierende Sozialismus kann es ja wohl nicht sein. Dieses Experiment hatten wir schon mal, und das ist schließlich gründlich in die Hose gegangen!

KOK16

Noch rauchen die alten, nicht-exzellenten Öfen. Doch wie lange noch? Und werden sie durch exzellente Öfen ersetzt? Die Zukunft ist noch nicht geschrieben…

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