Bogenschütze Original

On Thursday I’ve made a cycling tour with my brother: the first stage on the so-called ‘Elberadweg’ from Dresden to Meißen. And to show you why photo entries take such a long time there are all variations of a single picture. It’s from the famous sculpture called the ‘Bogenschütze’ situated on the shores of the river Elbe. And if you think that this is quite martial you are right: the first version of this sculpture exists from 1895 and then was seen in castle Sanssouci but this very version (made in 1902) was restored in 1936 as a symbol to prepare the Dresden population for the war to come. So actually this sculpture is a Nazi symbol but as it was built years before Hitler & Co. maybe that’s the cause why it’s still there today.

Bogenschütze version 1

Wie also oben bereits beschrieben soll dies nur ein kurzer Vorgeschmack darauf sein, was hier von meiner Radtour nach Meißen demnächst (vielleicht) noch zu sehen sein wird. Dann auch noch mit etwas mehr Inhaltlichem und Erlebtem. Die Bilder stehen in der Hauptsache bereits fest, müssen allerdings noch ein wenig aufgehübscht und durch ein paar Bildbearbeitungsprogramme geschickt werden. Daher hier jetzt nur ein paar Versionen des Bogenschützen am Dresdner Elbufer.

Bogenschütze version 2

Wenn man sich seine Geschichte ein wenig durchliest, dann könnte einer der ersten Gedanken in der Tat sein, weshalb er eigentlich noch dort steht wo er steht, denn aufgestellt wurde er 1936 aus zwei Gründen: zum ersten sollte er verdeutlichen, was (den Nazis gemäß) ‘schöne’ Kunst sei – im Gegensatz zu ‘entarteter’ Kunst: schöne, makellose Körper sollten es sein, vor Kraft strotzend und mit kernigem, ‘deutschem’ (= arischem) Antlitz, ein wenig realitätsfern und sehr heroisch, was sogleich zum zweiten Grund führt, nämlich das Heroisch-Martialische, das hier die Dresdner Bürger auf den nahen Krieg vorbereiten sollte: sein Vaterland zu verteidigen, mit Stolz geschwellter Brust und Heroismus in den Augen war demnach das Ideal, wonach man zu streben hatte, und beim Lustwandeln an der Elbe sah man dieses Ideal fortan stets überlebensgroß.

Bogenschütze version 3

Nun fragt man sich selbstverständlich nicht ganz zu Unrecht, weshalb so ein braun angehauchtes Denkmal eigentlich noch immer an diesem Platz steht, weshalb es nicht 1945 mit allen anderen Nazi-Symbolen den Weg aller anderen Nazi-Symbole gegangen ist. Nun habe ich mich damit nicht tiefgründig beschäftigt, allerdings kurz darüber nachgedacht. Zum einen ist diese Statue nicht ursprünglich ein Nazi-Symbol. Erschaffen wurde es 1895 von Ernst Moritz Geyger aus Kupfer und stand zuerst im Park Sanssouci in Potsdam. Im Jahre 1902 wurde die Figur aus Bronze nachgegossen und dann 1936 am Elbufer aufgestellt.

Bogenschütze version 4

Es könnte nun also sein, daß man sich nach dem Krieg zwar der nationalsozialistischen Bedeutungsverschiebung noch im Klaren war, da allerdings weder Hakenkreuz noch andere Nazi-Symbole angebracht waren, hat man die Figur belassen, wo sie war. Und im Laufe der Zeit – vor allem die nachfolgenden Generationen – werden sich des Ursprungs kaum mehr bewußt sein.

Bogenschütze version 5

Nun sind wir gestern beinahe am gesamten Dresdener Elbufer entlang geradelt, und bei dem Sonnenschein, der warmen Luft und all den Menschen (hauptsächlich Männern), die den Männertag / Herrentag / Vatertag auf jeweils ganz individuelle Weise gefeiert haben, sieht das Elbufer einfach nur schön aus, und auch der Bogenschütze ist schön, weil er ins Bild paßt und heutzutage eigentlich mehr nach Wilhelm Tell aussieht als nach Nazi-Symbol. Am Ende ist es wohl eine philosophische Frage, die man endlos debattieren kann: Läßt man solch eine Statue stehen und ihre Geschichte mit der Zeit verblassen? Reißt man alles nieder, was auch nur minimal mit der Nazi-Herrschaft zu tun hat, um alles aus dieser Zeit der damnatio memoriae anheim fallen zu lassen? Oder macht man alle Jahre auf die Geschichte derartiger Symbole aufmerksam, auch auf solche, die weniger deutlich der braunen Herrschaft zuzuschreiben sind, um eben klar zu machen, wie subtil und alltagstauglich die Herren von damals mit der Bevölkerung umgegangen sind?

Bogenschütze version 6

Es ist sicher eine Gratwanderung, wofür man sich entscheidet, wobei es oft gar keine direkte Entscheidung ist, was mit solch einem Symbol passiert, sondern eher die Zeit, die für oder gegen etwas arbeitet: das wirklich stark erkennbar propagandistische wird sofort entfernt, während das subtilere überdauert, weil es eben auch anders gedeutet werden kann und man es in die neuen politischen Umstände integrieren kann. Dennoch mag es für den ein oder anderen interessant sein, sich mit der Neugestaltung des Dresdner Elbufers zu beschäftigen – einen ersten Anlaufpunkt findet man hier.

2 thoughts on “Der Bogenschütze am Dresdner Elbufer

  1. Also zuerst mal: Die Perspektive des Bildes ist großartig (auch wenn ich schon neugierig wäre/bin wie das Gesicht des netten Herrn ausschaut).

    Was nun das Thema “bestaunen oder vom Sockel stoßen” so kann ich den Schützen nicht als Nazi-Symbol sehen, eben weil er schon vor denen da war, wie du angemerkt hast. Es gibt da im Grunde ja zwei Kategorien: 1) von Nazis geschaffen und 2) etwas, das schon vor den Nazis da war, von diesen aber instrumentalisiert wurde. Im ersten Fall wird daraus gerne ein Mahnmal gemacht, wobei fraglich ist, ob tatsächlich jeder Mist mahnen kann und sollte. Im zweiten Fall (zumal wenn wie im Falle des Bogenschützen durchaus ein nicht/nicht mehr ersichtlicher Zusammenhang zur Zeit des Nationalsozialismus besteht) darf sowas doch bitte stehen/vorhanden bleiben. Würden wir heute alles ausmerzen, was sich die Nazis für ihre Idiologie einverleibt haben, sähe es in Deutschland (nicht nur) kulturell düster aus. Erst vor kurzem zum Beispiel hatten wir den Tag der Arbeit. Diesen hatten die Nazis zum gesetzlichen Feiertag erhoben. Sollen wir ihn deshalb nicht mehr feiern bzw. eben nicht mehr als GESTZLICHEN Feiertag abhalten? Das gilt natürlich auch für die DDR-Diktatur und deren Symbolik. Zurecht hat man das Marx-Engels-Skulptur in Berlin stehen lassen, obwohl dieses ja nun direkt von der DDR-Regierung in Auftrag gegeben worden war, die sich in dem Falle zwar nicht die Skulptur für ihre Idiologie selbst, dafür aber die beiden Herren einverleibt hatte.
    Ich frage mich manchmal, ob es eigentlich auch in anderen Ländern üblich ist, oftmals über Nebenschauplätze viel ausführlicher zu diskutieren, als sich um das eigentliche Thema zu kümmern. Man sieht es ja wieder am NSU-Prozess. Wer darf denn nun zuschauen? Wer darf rein und wer muss draussen bleiben? Videoübertragung in den Nebenraum gestattet oder nicht? Da wird die Presse selbst zur Schlagzeile, anstatt daß sich auf das eigentliche Thema konzentriert wird.

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    1. Wenn du dich noch ein paar Wochen gedulden kannst (je nachdem, wie lange ich für die Bilder benötige😉 , dann siehst du irgendwann auch das Gesicht des ‘netten Herrn’. Insgesamt habe ich sieben Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven von ihm gemacht. Und wenn dich speziell das Gesicht interessiert, dann kann ich davon auch einen Bildausschnitt produzieren.

      Ansonsten wollte ich mit meinem Beitrag allerdings nicht implizieren, daß der Bogenschütze vom Elbufer weggehört. Im Gegenteil: ich finde die Statue sehr schön, vor allem auch den Platz, an dem sie steht. Allerdings hast du mit dem Klein-Klein natürlich recht: man diskutiert viel zu sehr unwichtige Dinge auf Nebenschauplätzen als das Übel direkt an der Wurzel anzupacken.

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