Kurz vor dem Höchststand wollte ich einen Rundgang zu Weißeritz und Elbe gehen, ohne Wege laufen zu müssen, die man nur mit Gummistiefeln oder gar Schlauchboot bewältigen kann. Tagelange Regenfälle haben ihren Tribut gefordert, also die Flüsse immer weiter ansteigen lassen und mittlerweile sind auch die ersten Dämme gebrochen. Einige äußere Stadtteile Dresdens sind bereits evakuiert. Ich selbst wohne in der Südvorstadt, also weit genug entfernt von beiden Flüssen und auch etwas höher gelegen, so daß meiner Wohnung das Wasser nichts anhaben kann. Doch die Altstadt war bereits gestern zu Teilen betroffen. Zwar lag die Elbe noch in ihrem Bett, doch an der rechten Neustadtseite trat sie bereits leicht über das Ufer, der Elberadweg war nicht mehr seinem Zweck entsprechend nutzbar.

Zunächst folgt eine Galerie mit ein paar Eindrücken von der Weißeritz in Löbtau am Ausgang der Nossener Brücke, wo der Fluß 2002 die gesamten Elbwiesen und dann auch Teile der bebauten Fläche eingenommen hat. Eine Freundin, die dort zu der Zeit lebte, hat damals für eine Woche bei mir gewohnt, weil sich auch ihre Wohnung sehr nahe an der Weißeritz befand. Gestern war es noch nicht so schlimm, doch ich rechne damit, daß morgen zumindest die untere Seite, die sich unterhalb der Nossener Brücke befindet, unterspült sein wird:

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Die Bilder sind alle unbearbeitet (lediglich die Größe habe ich ein wenig reduziert, um sie schneller hochladen zu können), denn ich wollte dem Geschehen nicht den Eindruck von Wildwasserromantik oder etwas ähnlichem geben. Einige Bilder werde ich allerdings noch ein wenig bearbeiten (ähnlich dem Photo, das auf der Startseite dieses Blogs bereits zu sehen ist) und diese dann bei Flickr in ein Set stellen – gemeinsam mit meiner gegangenen Route.

Mein weiterer Weg führte mich dann die Löbtauer Straße entlang bis zum Bahnhof Mitte, zur Yenidze und dort war dann die erste Sperre gegen das Hochwasser: das Heinz-Steyer-Stadion dürfte heute wohl bereits überflutet sein und wenn nicht, dann morgen. Die ersten Auswirkungen des gestiegenen Wassers konnte ich dann von der Marienbrücke aus sehen, wo das Kongreßzentrum beinahe komplett von der Elbe umspült worden war. Verkehrsschilder und Ampeln standen im Wasser, das Wasser selbst hatte diese Schlammfarbe angenommen und der Fluß transportierte viel Holz und Müll.

Auf der anderen Uferseite angekommen, lief ich schließlich direkt an der Elbe entlang, die dort schon so weit gestiegen war, daß sie die Elbwiesen komplett eingenommen hatte und sich heute sicher die ersten Häuser, also Restaurants in der Hauptsache, vorgenommen haben wird. Gestern liefen dort noch viele Schaulustige mit ihren Spiegelreflex-, Kompakt- und Handykameras herum. Von diesem Hochwasser dürfte es in ein paar Tagen mehr Bilder im Netz geben als von jedem anderen Ereignis, nehme ich einmal an. Katastrophentourismus in Reinkultur. Und nachdem ich mich ja als Bewohner der Stadt noch damit herausreden kann, daß ich mit meinem Spaziergang nur die Risiken für mich selbst und meine Wohnung abschätzen wollte, haben mich diese Massen an Schaulustigen doch ein wenig verstört. Sicher habe ich damit gerechnet, auf ein paar Leute zu treffen, aber die vielen Leute, die vor allem auf der Brühlschen Terrasse und der Augustusbrücke herumliefen, haben bei mir jegliche Erwartungen gesprengt. Klar, daß davon viele Jugendliche waren, die jede noch so kleine Sandbank ausnutzen, um so weit wie möglich in die Elbe hineinzukommen oder auch auf Mauern, die bereits im Fluß lagen, herumbalanciert sind, um besonders spektakuläre Photos zu bekommen. Einige von denen kann man auch auf meinen Bildern erkennen. Sollte es in der Soziologie noch keine Dissertation zum Thema ‘Katastrophentourismus’ geben: das Hochwasser 2013 ist zu Recherchezwecken perfekt.

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Die Carolabrücke war schließlich die letzte Brücke, die ich aufsuchte, um anschließend von dort wieder nach Hause zu gehen. Am gestrigen Tag war es immer mal wieder regnerisch, doch heute ist es zwar bedeckt, doch geregnet hat es noch nicht. Vielleicht ein erstes gutes Zeichen dafür, daß das Hochwasser heute auch hier seinen Scheitelpunkt erreicht hat und es morgen wieder zurückgeht – vorausgesetzt die meisten Dämme halten.

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2 thoughts on “Hochwasser 2013: Rundgang an Weißeritz und Elbe in Dresden am 03. Juni 2013

  1. Nachdem ich nicht betroffen bin, kann ich das so sagen: Es ist faszinierend und irgendwie auch beruhigend zu sehen, wie die Natur (in dem Falle das Element Wasser) klar und deutlich zu verstehen gibt, daß wir uns noch so mächtig fühlen mögen, noch so sehr glauben können, mit unseren Techniken die Natur unterjochen, unseren Bedürfnissen anpassen zu können, am Ende würden wir einen tatsächlichen Kampf verlieren, könnten wir den Elementen nichts entgegensetzen. Immer wieder gibt uns die Natur diese Warnungen, zeigt sie uns, wozu sie in der Lage ist und wer letztlich die Oberhand behalten wird und doch können wir es nicht lassen, überheblich wie wir sind, beispielsweise unseren Flüßen den natürlichen Lauf, ihnen den Freiraum zu nehmen, ihnen auf die Pelle zu rücken. Nur weil wir in der Lage sind, Wasser durch schmale Rohre in unsere Wohnungen zu bringen, sollten wir nicht glauben, daß wir das Element Wasser grundsätzlich unter Kontrolle bringen können. Solche Bilder, wie du sie gemacht hast und wie man sie momentan überall sieht, sollten nicht unsere Lust auf Katastrophe befriedigen, sondern uns vor allem ehrfürchtig machen und Respekt lehren.

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    1. Vielleicht ist ja auch das die ‘Freude’, die viele Menschen dabei empfinden, wenn sie sich das anschauen. Zunächst diejenigen, die eben so überheblich denken und sich dann freuen, wenn beispielsweise die Altstadt Dresdens eben doch trocken bleibt, man also die Natur überwunden zu haben glaubt und auf der anderen Seite diejenigen, die so ein wenig hoffen, daß die Natur eben wieder einmal gewinnt. Ich meine, es gibt so viele Gegenden, die regelmäßig überschwemmt werden, Menschen verlieren ihr Hab und Gut, aber was tun sie? Sie ziehen nicht einfach weg und bauen sich ihre Existenz an einem sichereren Ort auf, nein: sie bauen genau am selben Ort noch einmal, und beim nächsten Hochwasser verlieren sie wieder alles. Das mag auch mit Heimatgefühl zu tun haben, aber in Interviews mit solchen Leuten hört man auch ganz häufig, daß sie sich nicht vertreiben lassen, sondern ‘der Natur trotzen’ wollen, was eben genau der Punkt ist, den du angesprochen hast. Der Mensch will Sieger sein, auf Biegen und Brechen, obwohl er doch wissen sollte, daß das nie gelingen wird – außer natürlich, die Erde erwärmt sich so sehr, daß alles Wasser verdunstet, aber dann ist die Menschheit ohnehin am Ende.

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