Als ich nach knapp neun Stunden Wanderung über sieben Brücken wieder nach Hause gekommen bin, mußten zunächst meine Füße versorgt werden. Die Blutergüsse an meinen unteren Waden waren dabei nicht wirklich weltbewegend; schon eher hinderlich die vielen Blasen an den Füßen, mit denen ich kaum noch laufen kann. Nach einer langen Nacht angefüllt mit Schlaf und Ruhe sehnen sie sich ganz besonders. Dazu kommt noch mein krebsrotes Gesicht und daraus resultierend leichter Kopfschmerz. Das sind aber auch alle Blessuren von diesen erlaufenen circa 25km (bei Kilometer 18 gab mein Mobiltelephon den Geist auf, da allerdings war ich erst am Blauen Wunder, der letzten Brücke des Tages, bin dann auf dem Nachhauseweg allerdings noch mindestens 5km durch den Großen Garten geirrt. Wie es dazu kam, an passender Stelle weiter unten. Nun allerdings chronologisch, also von Beginn an und dafür hatte ich mir erneut die Weißeritz und die dazugehörige Nossener Brücke vorgenommen, um zu sehen, wie sich dort der Wasserstand entwickelt hat:

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Wie man sehen kann, wenn man diese Bilder mit denen von vor drei Tagen vergleicht (> Eintrag vom 03. Juni 2013), ist der Wasserstand der Weißeritz niedriger und wird wohl in den nächsten Tagen noch weiter zurückgehen, so daß es in Löbtau in diesem Jahr zum Glück keine große Überschwemmung gegeben hat wie noch 2002.

Anders sah es da an der Elbe aus, wo für heute der Höchststand / Scheitelpunkt erwartet wurde, der schließlich zwischen 10-16 Uhr bei 8,76m lag (der weitere Pegelstand der Elbe in Dresden kann hier verfolgt werden). Was das für das Kongreßzentrum und die Marienbrücke bedeutete, zeigt die folgende Galerie:

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Von der Marienbrücke aus konnte man schon erkennen bzw. erahnen, daß der gesamte Palaisgarten unter Wasser stehen würde, denn die Rotunde war etwa zur Hälfte in der Elbe versunken und von den Alleebäumen ragten nur noch die Baumkronen aus dem Wasser. Bis zur Großen Meißner Straße hatte es die Elbe zwar zum Glück nicht geschafft, doch was da bereits jetzt an Müll und später noch an Schlamm – wenn das Wasser irgendwann wieder weg ist – im Palaispark sein wird, bedarf sehr vieler Arbeit, um alles wieder so schön herzurichten, wie es vor dem Hochwasser war:

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Auf der Augustusbrücke tummelte sich erwartungsgemäß erneut viel schaulustiges Publikum und auch der Touristenverkehr war intensiv wie üblich. Auf die Brühlsche Terrasse waren sogar die Maler zurückgekehrt und boten ihre Bilder an vielen Ständen an, wobei ich mir nicht ganz sicher war, ob sie das Hochwasser auch ein wenig zu ihren Gunsten ausnutzen wollten. Da ich nun nicht jeden Tag am Elbufer wandle, kann ich also nicht sagen, ob nun mehr Menschen da waren als üblich, aber für die Vormittagszeit an einem Donnerstag vermute ich, waren es mehr als gewöhnlich. Das sonnige Wetter tat wohl auch sein übriges, um Dresdner Bevölkerung und Touristen zum Hochwassergucken zu animieren. Von den Sandsäcken von vor drei Tagen war heute nun nichts mehr zu sehen, doch immerhin hielt die Flutmauer an den beiden Unterführungen die Elbe davon ab, in Richtung Frauenkirche zu schwappen. Die neuen Flutmauern rund um die Altstadt (die es 2002 noch nicht gab) waren ja genau bis zum Scheitelpunkt von 2002, also auf 9,40m angebracht, so daß bis zum Überlaufen noch 64cm Platz waren. Viel Glück also, daß der Höchststand von 2013 unter dem von 2002 lag.

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Bei der Carolabrücke wurde für mich am offensichtlichsten, um wieviel höher die Elbe nun stand als noch vor drei Tagen. Denn vor allem das Schild, das anpries, wie denn die Elbe am besten zu erleben sei, war nun komplett im Wasser verschwunden. Vor dem Studentenclub Bärenzwinger war mit einer Mauer aus Sandsäcken dafür gesorgt, daß die Elbe dort nicht die Räume überfluten konnte. Und bis zum jetzigen Zeitpunkt funktionieren Mauer und Wasserpumpe. Am gegenüberliegenden Elbufer, wo in den Sommermonaten stets die Filmnächte stattfinden, konnte man nur noch auf den obersten Treppenstufen sitzen:

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Nach der Carolabrücke folgte für mich nun Neuland, zumindest was die Zeit des Hochwassers betraf. Regelmäßige Leser meines Blogs werden sich an den Bogenschützen erinnern, der vor ein paar Wochen Startpunkt war für meine Fahrradtour nach Meißen. Was damals noch hoch über dem Wasserspiegel der Elbe war, befand sich nun beinahe auf gleicher Höhe. So waren diesmal lediglich Bilder von einer Seite möglich:

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Bis zur Albertbrücke waren es nur ein paar Schritte, und auch dort sah es nicht besonders gut aus, wenn auch hier weniger direkt überschwemmt war, weil das Ufer hier ein wenig höher liegt als in der unmittelbaren Altstadt:

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Nur ein paar Schritte weiter im Rosengarten waren die Folgen der Flut dann allerdings wieder deutlicher zu sehen. Die Statue der nackten Frau, die gewöhnlich in einem Meer aus Roten steht, war nun eine Insel inmitten eines tatsächlichen Gewässers:

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Was nun die folgende Waldschlößchenbrücke betrifft, so kann ich nur wiederholt betonen, daß es mir völlig unverständlich ist, wie dieser Neubau das Elbtal verschandeln kann. Meiner Meinung nach paßt sie sich der Natur an, wirkt nicht zu aufdringlich und entlastet zudem noch den innerstädtischen Straßenverkehr, wenn sie fertig ist. Daß hier angeblich eine seltene Fledermausart namens ‘Kleine Hufnase’ gesichtet worden sei, ist die Aufregung um den Bau jedenfalls nicht wert. Trotz längerer Verweildauer bei der Brücke habe ich jedenfalls nichts schützenswertes gesehen. Und wenn schon: der kleinen Hufnase könnte es unter der schattigen Brücke durchaus gut gefallen.

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Zur letzten Brücke meiner Siebenbrückentour, der Loschwitzbrücke a.k.a. ‘Blaues Wunder’, war der Weg nun ein Stück weiter als zwischen all den vorigen Brücken. Ein paar Schlösser liegen dazwischen und so schiebe ich hier diese Galerie mit Impressionen alter herrschaftlicher Bauwerke ein. Vom Waldschlößchen habe ich nur das Bild von der Vorderseite gemacht, doch Schloß Eckberg und das inmitten des Parks gelegene Schloß Eckberg habe ich mir ein wenig genauer angeschaut, auch um von der Tour ein paar andere Photos mitzunehmen als nur Hochwasser. Dennoch finden sich auch in dieser Galerie Bilder von der Elbe, da es hinter den Lingnerterrassen mehrere Pfade durch den Wald nach unten zum Elbeufer gibt. Daß ich diesen Weg später wieder nach oben gehen mußte, hatte ich mir leider erst überlegt, als ich bereits unten war. Von der Bautzener Straße / B6 aus bog ich ein paar hundert Meter weiter rechts in die Schillerstraße ein, die mich schließlich zur Loschwitzbrücke führte. Doch zuvor gewahrte ich noch ein Relief von Goethe und Schiller, das doch wahrlich schwul anmutet. Da wird mir Goethe gleich viel sympathischer:

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Das große Problem beim ‘Blauen Wunder’ und seiner Umgebung ist, daß sich hier viele Gebäude, vor allem Touristenmagnete wie kleine Cafés, der Schillergarten, aber auch der Sportplatz des SV Loschwitz in unmittelbarer Nähe zum Ufer befinden. In den letzten Tagen waren viele Helfer damit beschäftigt, auch hier Sandsackbarrieren zu errichten, doch leider meist erfolglos, wie man sieht:

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Wir sind beinahe beim Ende angekommen. Kurz bevor ich meinen Heimweg antreten mußte, habe ich noch ein kleines Wollgeschäft entdeckt (das erste in Dresden!), das ‘Textil-Bay’, wo ich nicht widerstehen konnte und mir vier Knäuel Wolle mitgenommen habe. Solche kleinen Läden muß man einfach unterstützen, nicht nur in Zeiten des Hochwassers (der Laden war allerdings nicht betroffen) sondern ganz allgemein. Welche Wolle es in meinen neuen Rucksack geschafft hat, erfährt – wen es interessiert – hier. Anschließend hatte ich vor, der Buslinie 61 bis zum Großen Garten zu folgen, um dort noch ein paar Bilder zu machen, da ich bereits am Tag zuvor im TV gesehen hatte, daß dort auch so einiges überschwemmt ist, allerdings habe ich nur sechs Haltestellen bis zur Schlüterstraße geschafft. Meine Füße hatten zu dem Zeitpunkt bereits so viele Blasen angesetzt, und ich wollte ja noch im Großen Garten herumlaufen, daß ich die zwei Euro für die Busfahrkarte geopfert habe, um ein Stück mit dem Bus zu fahren. Leider wollte bei der Haltestelle Tiergartenstraße niemand aussteigen, und ich hatte zu spät den Haltknopf gedrückt, so daß der Bus erst wieder am Bahnhof Strehlen zum Stehen kam. Zunächst frustriert darüber dachte ich, ich sei schlau, indem ich einfach in einen Bus der Gegenrichtung einstieg. Leider fährt die 75 an der Kreuzung Franz-Liszt-Straße / Tiergartenstraße nicht nach rechts, wo ich hätte hinfahren müssen, sondern nach links in Richtung ZOO, doch immerhin war die nächste Haltestelle nicht zu weit entfernt, so daß ich eben in den Großen Garten hineinging, was ich ursprünglich gar nicht vorhatte.

Nach ein paar Stimmungsbildern wollte ich zum Abschluß noch ein Bild von außerhalb des Großen Gartens machen, wozu ich denselben erst einmal verlassen mußte, was sich einfacher anhört als es letztlich war. Ich hätte selbstverständlich den gleichen Weg zurückgehen können, den ich gekommen war, doch meine Füße schmerzten, und ich dachte, daß ich die Sache auch abkürzen könnte. Dummerweise hatte ich nicht mit dem Irrgarten gerechnet, der aufgrund des Hochwassers im Großen Garten entstanden war, denn auf vielen der kleinen Wege hatten sich große Pfützen gebildet, was ich jedoch erst sah, als ich an diesen angekommen war. Das bedeutete nun, daß ich viele Wege doppelt ging und bei der letzten Kreuzung einen anderen Pfad versuchte. Schade, daß mein Mobiltelephon zu dem Zeitpunkt bereits seinen Geist aufgegeben hatte; andernfalls hätte ich mir meine gelaufene Route später nochmals zu Hause anschauen können. Irgendwann hatte ich den Ausgang dann aber doch gefunden und mußte nun erstmal noch um den halben Großen Garten herumgehen, um zu dem Ort zu kommen, wo ich dann mein letztes Bild des Tages gemacht habe.

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Von der Bushaltestelle Tiergartenstraße bin ich schließlich mit dem Bus nach Hause gefahren, geschafft, mit vielen Eindrücken im Kopf und vor allem der Gewißheit, daß vor allem in der Altstadt die Sicherungsmaßnahmen die katastrophalen Auswirkungen der Flut von 2002 verhindert haben, an der Peripherie jedoch wieder viele Menschen Zerstörungen ähnlichen Ausmaßes hinnehmen mußten. Gerade eben habe ich Bilder aus Magdeburg gesehen, und die Menschen dort haben das schlimmste noch vor sich, während der Pegel in Dresden nun wieder im Sinken begriffen ist.

Den Menschen in allen betroffenen Regionen wünsche ich ganz viel Kraft während, vor allem aber nach dem Hochwasser.

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2 thoughts on “Hochwasser 2013: Siebenbrückentour in Dresden am 06. Juni 2013

  1. Scheint ja an deinen Schuhen zu liegen, wenn du immer wieder Blasen bekommst bei längerem Laufen (hattest von solchem Problem zumindest schon oft gesprochen).

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    1. Liegt definitiv an den Schuhen, die nicht völlig paßgenau sind. Ich denke mal, für 20km in flachem Gelände sind die gut geeignet, aber wenn es doch mal hoch und runter geht, rutschen meine Füße zu sehr hin und her, wodurch nun eben Blasen entstehen. Für meine Tour von Dublin nach London hatte ich mir ja extra Wanderschuhe gekauft, die auch gut gepaßt haben, doch entweder waren die zu neu oder die Schuhe an sich waren doch nicht so gut, auf jeden Fall habe ich in denen damals auch Blasen davongetragen. Als ich vorgestern wieder zu Hause war und mir meine Füße angeschaut habe, kam mir als einer der ersten Gedanken, wie die römischen Soldaten das in diesen Nagelsandalen eigentlich gemacht haben. Aber da deren Füße sicher an diese Strapazen gewöhnt waren (mit zentimeterdicker Hornhaut an der Fußsohle), hätten die vermutlich auch barfuß laufen können (was vielleicht auch für mich besser wäre, denn Blasen entstehen dabei definitiv nicht, höchstens Schnittwunden).

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