Lange nicht mehr hat mich eine Fernsehproduktion so sehr begeistert wie der zweiteilige Polizeiruf 110 “Wendemanöver”. Nur per Zufall darauf gestoßen, habe ich beide Teile bereits mehrfach gesehen und entdecke jedes Mal neue Zusammenhänge, Metaphern und kleine Geschichten. Neben der gut erzählten Haupthandlung sind es vor allem die Nebenhandlungen zwischen Magdeburg und Rostock, die diesen Polizeiruf sehenswert machen. Und deshalb werde ich hier auch detailiert darüber berichten. Viel Freude.

Vertrauen einander nur, wenn sie nicht miteinander sprechen: Frey und Drexler.
Vertrauen einander nur, wenn sie nicht miteinander sprechen: Frey und Drexler.

Zunächst muß ich vorausschicken, daß ich bisher keinen der letzten Polizeirufe gesehen hatte. Ich glaube mich zu erinnern, daß ich ein paar Minuten von “Der verlorene Sohn” des Ermittlerteams aus Magdeburg gesehen habe, aber das ist zwei Jahre her, und bisher gehörten deutsche Krimis nicht zu meinen präferierten Sendungen. Entsprechend kannte ich diverse Hintergründe, auf die in “Wendemanöver” Bezug genommen wird, nur vage. Nötig ist das allerdings nicht, denn “Wendemanöver” kann auch als eigenständiger Fernsehfilm bestehen. Dennoch hat mich dieser Zweiteiler nun dazu bewogen, wenigstens die drei vorigen Fälle des Magdeburger Teams Brasch und Drexler anzuschauen. Und wenn ich mit dieser Analyse einige Leser dazu bewegen kann, würde mich das sehr freuen. Denn die Schauspieler und deren Teams haben es allemal verdient.

  • In Stichworten beschreibe ich Ereignisse, kleine und eher unauffällige Szenen sowie Kunstgriffe des Regisseurs, die mir besonders erwähnenswert erscheinen und beim ersten Anschauen möglicherweise nicht sofort ins Auge fallen.

Vier Hauptcharaktere mit Ecken und Kanten

Sylvester Groth als Jochen Drexler
Sylvester Groth als Jochen Drexler
Beginnen muß ich mit Hauptkommissar Jochen Drexler, gespielt von Sylvester Groth. Nicht nur, weil Drexler eine Hälfte der umfassendsten Nebenhandlung dieses Polizeirufs ausmacht, sondern auch weil Sylvester Groth zu meinen Lieblingsschauspielern gehört. Oberflächlich betrachtet mag Drexler ein spröder, wortkarger und unsympathischer Charakter sein, doch Groth gibt ihm mit all seinem schauspielerischen Können so viele Facetten mit, die deutlich machen, daß hinter ihm viel mehr steckt, wenn man sich ein wenig mit ihm beschäftigt.

Drexler ist gewissermaßen gefangen in sich selbst. Er hält sich beinahe pedantisch an jegliche Regeln, weshalb er auch so ein guter Polizist ist, dem jedes Detail auffällt, der solange über Indizien grübelt, bis er das Ganze erkennt. Er geht völlig in seinem Beruf auf, weil er sich selbst darüber vergessen kann. Denn, so auch Groth in einem kurzen Interview über seine Rolle, er hat Angst vor sich selbst, seinen Gefühlen und Bedürfnissen. So hat er nicht nur eine Mauer nach innen errichtet, sondern auch nach außen. Er will nicht, daß ihm irgend jemand zu nahe kommt, der imstande sein könnte, seine innere Mauer niederzureißen. Doch insgeheim sehnt er sich nach solch einem Menschen.

Als er nun im Laufe der Ermittlungen auf seinen alten Freund Ferdinand Frey trifft, beginnt die Mauer zu bröckeln. Und Drexler versucht beinahe verzweifelt, sie am Einstürzen zu hindern. Diese Verzweiflung zeigt Groth erstklassig, wenn der gewöhnlich von außen betrachtet äußerst gefühlsarme Drexler doch Emotionen zuläßt. Es ist wirklich schade, daß Sylvester Groth sich dazu entschieden hat, den Magdeburger Polizeiruf und damit auch seine Rolle als Jochen Drexler zu verlassen. Wie er im Interview betont hat, geht es ihm dabei vor allem um Drexler und die Erwartungshaltung der Zuschauer. Und ich kann ihn zum Teil verstehen. Groth vermutet, daß die Zuschauer – den kleinen Finger bekommen – nun die ganze Hand erwarten, also noch mehr privates von Drexler. Und das wollte Groth nicht. Im Grunde macht er genau das, was auch der Charakter Drexler macht: Drexler schützt sich selbst, und Groth schützt Drexler. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, ist das eigentlich etwas sehr schönes und ein Zeichen dafür, wie sehr Groth seine Rolle am Herzen liegt. Immerhin schließt er nicht aus, Drexler irgendwann noch einmal zu spielen. Und ich fände das sehr schön.

Claudia Michelsen als Doreen Brasch
Claudia Michelsen als Doreen Brasch
Hauptkommissarin Doreen Brasch, gespielt von Claudia Michelsen, ist eigentlich wie Drexler eher wortkarg. Aus ihrer Vergangenheit (und den vorigen Fällen des Magdeburger Polizeirufs) wissen wir, daß sie sich gerade durch zu wenig reden von ihrem Sohn distanziert hat, der in die rechte Szene abgedriftet ist. Wenn man Brasch als Zuschauer verfolgt, kann man sich das schwer vorstellen, doch auch sie geht völlig in ihrem Beruf auf und hatte so vermutlich zu wenig Zeit für ihren Sohn, bis es zu spät war. Umso stärker kümmert sich Brasch in “Wendemanöver” um Jenny Richter, die junge Tochter der Getöteten von Magdeburg. Brasch erkennt Parallelen zu ihrer eigenen Familie und ermutigt Jenny, es besser zu machen.

Anneke Kim Sarnau als Katrin König
Anneke Kim Sarnau als Katrin König
Hauptkommissarin Katrin König, gespielt von Anneke Kim Sarnau, ist ebenfalls eine geradlinige Ermittlerin, die ganz am Schluß von “Wendemanöver” feststellt, daß sie anders ist als andere Menschen. Sie kann nichts schönes finden an Haus, Hof und Familie, sondern hat bei der Polizei ihre Berufung gefunden. Auch das Spiel von Sarnau ist erstklassig, vor allem ihr Minenspiel, wenn sie ohne ein Wort zu verlieren die Aussagen von Zeugen kommentiert. Eine gute Pokerspielerin wäre König wohl nicht. Das ist aber auch das Gute am Rostocker Team und das Interessante am Zusammenspiel beider Teams: während die Magdeburger geradezu norddeutsch unterkühlt agieren, wird bei den Rostockern stets die gesamte Gefühlspalette bedient. Bei König spielt sich das beinahe durchgehend in ihrem Gesicht ab. Wirklich aufbrausend oder gewalttätig ist sie selten. Allerdings läßt sie auch alles zu, was sie gerade an Emotionalem durchlebt, eben nur ganz nah bei sich selbst.

Charly Hübner als Alexander Bukow
Charly Hübner als Alexander Bukow
Ganz anders Königs Kollege, der gegenwärtig vom Dienst suspendierte Alexander Bukow (mit gesprochenem W!), gespielt von Charly Hübner. Der läßt seine Emotionen heraus im Moment, in dem er sie erlebt. Auch was die Polizeiarbeit betrifft, bewegt er sich stets am äußersten Rand der Legalität. Daß er in “Wendemanöver” vom Dienst beurlaubt ist, liegt jedoch daran, daß er einen Kollegen angeschossen hatte. Nun benötigt er ein psychologisches Unbedenklichkeitszeugnis, was eine weitere kleine Nebenhandlung ausmacht. Bukow ist nun in allen Belangen das genaue Gegenteil von Drexler. Und es wäre tatsächlich interessant gewesen, die beiden etwas mehr in Interaktion zu erleben. Doch dazu war die Geschichte um Drexler und Frey zu wichtig, Drexler oft allein unterwegs und Bukow suspendiert. Stattdessen erleben wir einen Bukow, der ebenfalls in seiner eigenen Nebenhandlung feststeckt und versucht, da irgendwie wieder herauszukommen. Charly Hübner spielt seinen Charakter dabei ebenso erstklassig wie seine Kollegen, wobei ich daran zweifle, daß ein Charakter wie Bukow in der Realität eine lange Polizeikarriere genießen dürfte. Zur erstklassigen Unterhaltung trägt er jedoch definitiv bei.

Wendemanöver I: Die eigentliche Haupthandlung nimmt Fahrt auf

Drexler und Mautz am Tatort in Magdeburg
Drexler und Mautz am Tatort in Magdeburg
“Wendemanöver” beginnt mit einer Vorschau etwa von der Mitte des ersten Teils, in der gewissermaßen der Erstkontakt zwischen LKA Magdeburg und LKA Rostock gezeigt wird. Ein netter Kunstgriff, um sofort deutlich zu machen, daß beide LKA gemeinsam ermitteln. Bis zur Erkenntnis, daß die Todesfälle von Rostock und Magdeburg zusammengehören, wird jeweils abwechselnd das Ermittlerteam in Magdeburg sowie das Team in Rostock bei seinen Ermittlungen begleitet. Einblendungen des jeweiligen Ortes sorgen dafür, daß der Zuschauer sofort weiß, wo er sich befindet. Gerade wenn man die Teams zum ersten Mal sieht, ist das ungemein hilfreich, da man als Zuschauer schließlich mit Opfern, potentiellen Tätern, Zeugen und Beweismaterial zweier Fälle konfrontiert wird. Dazu kommen diverse Nebenhandlungen. Die gesamte Geschichte ist also ungemein komplex. Mehrfaches Anschauen kann daher helfen, auch die letzte Kleinigkeit zu durchdringen, um die Geschichte vollends zu verstehen.

Nach der Vorschau befinden wir uns zeitlich 18 Stunden zuvor am Tatort in Magdeburg, wo die Leiche von Astrid Richter, Frau des Juniorchefs Moritz Richter, in dessen Firma gefunden wird, wo es vor dem Eintreffen der Feuerwehr gebrannt hat. Jochen Drexler ist bereits vor Ort und unterrichtet die gerade ankommende Doreen Brasch über die ersten Erkenntnisse. Erster Verdächtiger ist Kai Förster, ehemaliger Mitarbeiter der Firma Richter, der angeblich wegen Drogenmißbrauchs vor fünf Monaten entlassen worden ist. Als linker Friedensaktivist war er jedoch nicht damit einverstanden, daß Herbert Richter seine Technik, die eigentlich für Ultraleichtflugzeuge, etc. bestimmt war, für Kriegstechnologie verwendet hat. Beim 20-jährigen Betriebsjubiläum wenige Stunden vor dem Brand hat sich Förster mit der Schlüsselkarte seiner Freundin Jenny Richter, Tochter von Moritz Richter, Zutritt zur Firma verschafft und den Chef, Herbert Richter, Großvater von Jenny, mit Farbbeuteln beworfen. Für diesen Angriff befand sich Förster für wenige Stunden in Polizeigewahrsam, wurde jedoch vor dem Brandanschlag entlassen. Die Polizei vermutet nun einen Brandanschlag als Racheakt. Bei der darauf folgenden morgendlichen Razzia in der linken Wohngruppe trifft Brasch dort auch auf Jenny Richter und muß ihr den Tod ihrer Mutter mitteilen.

  • Eine kurze komödiantische Szene spielt sich zwischen Drexler und Brasch ab, als Drexler Brasch den Arbeitsplatz von Astrid Richter zeigen will, sich zu Brasch umdreht, sie dort aber nicht vorfindet, weil Brasch bereits über die andere Seite zum Schreibtisch gegangen ist. Ein kurzer emotionsloser Blickwechsel zwischen Drexler und Brasch ist an trockenem Humor kaum zu übertreffen.
  • Die übergriffigen Polizisten bei der Razzia werfen nicht unbedingt ein gutes Licht auf derartige Einsätze, wo es im wahren Leben wohl durchaus dazu kommen kann, daß Polizisten in ihrer Annahme, Staat und Gesetz zu vertreten, meinen diese selbst nicht so genau nehmen zu müssen.
  • Als Moritz Richter seine Tochter von der Polizeiwache abholt, wird mit der Reaktion von Jenny auf das von Moritz Richter geäußerte Alibi bereits angedeutet, daß Jenny ahnt, wer den Brand tatsächlich gelegt hat. Doch sie will sich den Tatsachen nicht stellen. Sie sieht klar, daß ihr Großvater und ihr Vater Fehler begehen, will jedoch ein heiles Familienleben und ist so ständig hin- und hergerissen zwischen Aufklärung und Vertuschung.

Unterdessen treffen Katrin König und Anton Pöschel in Rostock-Warnemünde auf den mit vier Kugeln regelrecht hingerichteten Andreas Janssen. Von Hause aus Wirtschaftsprüfer der Firma Richter in Magdeburg, war er am Tattag mit seinem Auto nach Warnemünde gefahren, hat dort abends beim Pokern 18.000 EUR gewonnen und geriet dabei mit einem gewissen Heiko Steiner in Streit. Der wiederum hatte zwei Kumpels mit im Schlepptau, die sich während des Spiels mittels Zeichensprache miteinander verständigt haben. Da Heiko Steiner untertauchen kann, wird einer dieser Kumpels von der Polizei zum Spiel befragt. Mittels einer aufgezeichneten Sprachnachricht von Heiko Steiner erkennt König eine Verbindung zu “Veit’s Klub”, dem Boxklub von Alexander Bukows Vater. Dort angekommen, sind Bukow Sr. und Bukow Jr. gegenüber König nicht eben redselig, denn Heiko Steiner hatte für Vater Bukow “gewisse Fahrten” unternommen und für Bukow Junior hat er eine Tüte “Bonbons” in seiner Wohnung gelagert. Daß sie das König nicht offenbaren wollen, macht sie für König selbstverständlich verdächtig. Allerdings ist sie von ihrem zur Zeit Ex-Kollegen schon einiges gewöhnt, zudem versichern Vater und Sohn einigermaßen glaubhaft, daß sie Heiko Steiner am Abend nicht mehr gesehen haben, so daß sie unverrichteter Dinge wieder abzieht.

Später sehen wir Bukow bei der Psychologin sitzen. Es herrscht eine gewisse aggressive Grundstimmung, weil Bukow das analytische Gerede der Psychologin sichtbar gegen den Strich geht. Seine Anti-Haltung steigert sich bei gewissen Stichpunkten, die sie ihm gegenüber äußert. Schließlich verliert er völlig seine Haltung und kann sich kaum noch zurückhalten, handgreiflich zu werden. Das ganze führt selbstredend nicht dazu, daß ihm die Psychologin ein Unbedenklichkeitsgutachten ausstellt. Bukow ist also weiterhin vom Dienst suspendiert. So tragisch das für Bukow ist, die Szene ist unglaublich gut gespielt, weil sie die Ernsthaftigkeit der Psychologin übersteigert und Hübner in dieser Rolle des aufsässigen Polizisten förmlich aufzublühen scheint. Großartig.

Die heimliche Haupthandlung: Drexler und Frey

Drexler besucht einen alten Freund...
Drexler besucht einen alten Freund…
Während auf der Polizeidienststelle in Magdeburg Zeugenbefragungen stattfinden, ist Drexler erneut zum Firmengelände der Richter GmbH gefahren, um Herbert Richter zu befragen. Zuvor läßt er sich von der Pförtnerin auf dem Überwachungsvideo die einzige Person zeigen, die am Tattag bei ihr war, jedoch nicht zur Firma gehörte. Als der Mann in die Kamera schaut, schreckt Drexler zurück, da er den Mann offenbar kennt. Er macht ein Photo mit seiner Kompaktkamera, zeigt es später Herbert Richter, doch der will den Mann nie gesehen haben.

... doch Ferdinand Frey scheut die Konfrontation.
… doch Ferdinand Frey scheut die Konfrontation.
Während Brasch Drexler nun mehrfach auf seinem Mobiltelephon anruft, verläßt der das Bundesland Sachsen-Anhalt in Richtung Niedersachsen, um vor einem zum Verkauf stehenden Haus in Helmstedt wieder anzuhalten. Er bedient den Klingelknopf, über dem auf einem Teil eines Aufklebers noch “Vergewaltiger” zu lesen ist. Niemand öffnet ihm. Doch Drexler kennt das Versteck für den Zweitschlüssel und läßt sich damit selbst in das Haus hinein. Spätestens hier dürfte jedem Zuschauer klar geworden sein, daß Drexler und Frey (so der Name am Klingelschild) sich irgendwann einmal nahe gestanden haben müssen.

Während Drexler nun das leer scheinende Haus untersucht, erhält der Zuschauer einige Hinweise auf Freys Vergangenheit. Ein älteres Photo an der Wand zeigt Frey als Polizisten. Diverse Bücher von Friedrich Engels und Karl Marx weisen ihn als jemanden aus, dem Kapitalismus nicht sehr am Herzen liegt. Einige Zeitungen auf dem Tisch im Wohnzimmer beschäftigen sich mit dem Brandanschlag auf die Richter GmbH; Frey ist also nicht einfach ein nach Arbeit suchender, sondern ihn beschäftigt die Firma offenbar tiefgründiger. Schließlich werfen wir gemeinsam mit Drexler einen Blick auf Freys Gerichtsakten aus den Jahren 1999 und 2000. Wir können uns denken, daß es dabei um den Vorwurf der Vergewaltigung ging. Der Ordner Revision deutet zudem darauf hin, daß Frey damals schuldig gesprochen wurde und ins Gefängnis mußte. Schließlich stellen wir fest, daß Frey doch im Haus ist, allerdings versteckt er sich vor Drexler. Der findet schließlich ein Terminkärtchen für einen Psychologen namens A. Wangard für den späten Nachmittag im Helmstedt Center. Mit einem Blick auf die Uhr eröffnet sich für Drexler sichtbar eine Möglichkeit, Frey dort zu treffen, ohne daß der sich ihm erneut entziehen kann.

Gerade was die Beziehung zwischen Drexler und Frey betrifft, tastet sich der Zuschauer ebenso vorsichtig heran wie das Drexler und Frey selbst tun. Kleine Hinweise werden gestreut, die Charaktere sind sich nahe ohne einander jedoch zu treffen. Dazu kommt die leise, vorsichtige Musik – ein beinahe bedrückender Kontrast zur sonstigen zuweilen hektischen Erzählweise, besonders wenn die Rostocker agieren. Auch wegen dieser sehr ruhigen Erzählweise wirkt diese eigentliche Nebenhandlung wie eine selbständige Geschichte. Ist Drexler mit seinen Kollegen zusammen, um die neuesten Erkenntnisse zusammenzufassen, steht er oft am Rande, wirkt abwesend und nicht richtig zugehörig. Ganz anders in den Szenen mit Frey: hier ist er Mittelpunkt und ganz bei sich und seinem Gegenüber.

Drexler stellt Frey im Helmstedt Center...
Drexler stellt Frey im Helmstedt Center…
Wenige Zeit später erreicht Brasch Drexler tatsächlich über sein Mobiltelephon. Doch Drexler ist kurz angebunden und beendet das Gespräch ohne ihr konkret zu sagen, was er gerade im Alleingang unternimmt. Wir sehen ihn schließlich vor der Psychologischen Praxis, als Frey sich gerade verabschiedet. Kurz darauf stellt Drexler Frey am unteren Ende des Fahrstuhls. Sie begrüßen sich nun zunächst wie zwei alte Freunde, die sich lange nicht gesehen haben und auch nicht im Guten auseinandergegangen sind. Die Art wie Frey sich nach dem Befinden von Drexlers Frau erkundigt, verdeutlicht, daß beide einst ein Paar waren, Drexler jedoch nicht zu seiner Homosexualität stehen konnte und wollte und schließlich den Ausweg im gängigen Rollenmodell gesucht hat.Drexlers Antwort, daß es seiner Frau gut ginge, soweit er wüßte, macht klar, daß dieses gewissermaßen erzwungene Scheinleben für ihn auch nicht funktioniert hat.

... zur Befragung in einer Umkleidekabine.
… zur Befragung in einer Umkleidekabine.
Frey wendet sich nun von Drexler ab, ohne jedoch Anstalten zu machen wirklich zu flüchten. Stattdessen will er, daß Drexler ihm hinterherläuft, so wie er ihm vermutlich einst hinterhergelaufen ist. Drexler kommt nun direkt zu seinem dienstlichen Anliegen und befragt Frey zum Brandanschlag, wo er am vorigen Abend gewesen sei. Doch ein wirkliches Gespräch ist nicht möglich. Zu frisch ist das Wiedersehen und alte Geschichten werden angerissen, die den Graben zwischen beiden Männern vergrößern. Wir erfahren von Frey, daß er seiner Meinung nach unschuldig im Gefängnis war und daß er offenbar Herbert Richter beschuldigt, die Vergewaltigung inszeniert zu haben, um ihn aus dem Weg zu schaffen, weil Frey etwas weiß, das Richter den Kopf kosten könnte. Zudem soll Frey eine Frau vergewaltigt haben, und angesichts der Tatsache, daß Frey mit seiner Homosexualität weit offener umgeht als Drexler, ist für den Zuschauer schwer vorstellbar, daß er sich als Vergewaltigungsopfer eine Frau ausgesucht haben soll. Drexler drängt Frey schließlich in die Umkleidekabine eines Kleidungsgeschäfts, doch auch hier setzt sich die Nichtkommunikation fort:

Drexler: “Wo warst du gestern Abend? Hast du den Brand gelegt?”
Frey: “Kaum sehen wir uns wieder, schon machst du mir Vorwürfe? ‘Wo warst du gestern Abend?’ Hör dich an; du klingst wie Derrick.”

Ein Wachmann macht beiden deutlich, daß er ihr Verhalten nicht tolerieren wird; zudem wird Drexler erneut von Brasch angerufen, diesmal für eine Konferenzschaltung mit den Rostocker Kollegen. Als Frey von Drexler hört, daß die Polizei offenbar einen Zusammenhang mit Rostock sieht, reagiert er verdächtig und zieht sich schließlich zurück, ehe Drexler reagieren kann. Dieses Telephongespräch kann er auch nicht einfach abbrechen, so daß er Frey zunächst ziehen lassen muß.

Frey will nicht reden...
Frey will nicht reden…
Am Abend wartet Drexler in seinem Auto vor Freys Haus. Als auch Frey dort eintrifft, lädt dieser Drexler ein, mit ihm in sein Haus zu kommen. Frey klingt müde, als er Drexler sagt, daß er nicht reden will. Was er zunächst meint, ist selbstverständlich der Fall, den Drexler bearbeitet. Frey will keine Fragen zum Brandanschlag oder wo er am vorigen Abend gewesen ist beantworten, vor allem weil das doch wieder in Vorwürfen enden würde. Frey will nicht, daß an diesem Abend irgend etwas zwischen ihnen steht; er will sich an eine Zeit zurückerinnern, als er noch nicht wegen Vergewaltigung angeklagt war, an eine Zeit vor dem Gefängnis, an eine Zeit, als Drexler zu ihm und zu sich selbst stand.

... und Drexler auch nicht.
… und Drexler auch nicht.
Es folgt eine kurze, aber intensive Szene, in der sich Frey und Drexler sehr nahe sind. Die ruhige, beinahe melancholische Musik illustriert erneut diese völlig andere Welt, in der sich beide befinden, wenn sie allein mit sich sind, keine Sprache und Erinnerungen zwischen ihnen stehen, sondern sie ganz bei sich im Hier und Jetzt sind.

Am nächsten Morgen ist Frey endlich bereit zu reden. Er offenbart Drexler, daß seine Narbe am Hals von einer Attacke gegen ihn im Gefängnis herrührt. Und genau wie bei der angeblichen Vergewaltigung vermutet Frey auch hier, daß das der Versuch gewesen sei, ihn aus dem Weg zu räumen, weil er zuviel wußte. Doch etwas wirklich genaues will Frey Drexler noch immer nicht sagen. Dazu braucht er seine alten Untersuchungsakten, die Drexler ihm beschaffen soll. Auch bei diesem Gespräch macht Drexler deutlich, daß er seinem alten Freund nicht vertraut. Er vertraut lieber dem Staat und seinen Gesetzen und wiederholt während des gesamten Films mehrfach, daß Frey einen fairen Prozeß gehabt habe und daß die Beweise gegen ihn erdrückend gewesen seien. Immer neue Mutmaßungen stellt Drexler an, um für sich selbst glaubhaft zu machen, daß Frey tatsächlich schuldig war und ist. Auf diese Weise redet er sich selbst ein, daß sein eigenes damaliges Verhalten richtig war, daß es richtig war, nicht dem Freund zu glauben und an seiner Seite zu stehen, als der ihn am meisten brauchte.

Vielleicht hat Drexler diesen Prozeß auch als schicksalhaft für sich selbst betrachtet. Er hat seine eigene Homosexualität nie wirklich akzeptiert und hat nun einen Weg gesehen, sich ihr zu entziehen. Seine Versuchung Frey wurde weggesperrt, weshalb Drexler ihm auch nicht geholfen hat. Der Staat ist das Recht; er als Homosexueller ist schuldhaft. Und wenn der Staat den schuldigen Homosexuellen verurteilt, empfindet er das als Zeichen gegen sich selbst, daß er sich nicht mehr dem Schuldhaften hingeben soll. Folgender Ausspruch, den Drexler Frey an den Kopf wirft, wirkt auf den Zuschauer beinahe schmerzhaft, denn er trifft im Grunde eher auf Drexler selbst zu:

“Hast du jemals einen Gedanken daran verschwendet, daß du da was verdrängst?”

Als Drexler wieder im LKA Magdeburg eintrifft, zeigen die Kollegen aus Rostock ihnen das Photo eines Verdächtigen, das von einer Überwachungskamera aus dem Parkhaus im Hotel Nerius in Rostock aufgenommen wurde. Als Drexler auch hier Ferdinand Frey erkennt, offenbart er seine Erkenntnisse endlich gegenüber Brasch und verläßt damit seine private Geschichte. Zu dem, was wir bereits wissen, unterbreitet Drexler Brasch, daß er in den frühen 90er Jahren gemeinsam mit Frey bei der ZERV (Zentrale Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität) beschäftigt war. 1994 hat Frey in diesem Zusammenhang gegen Herbert Richter ermittelt, wurde jedoch noch im selben Jahr wegen der angeblichen Vergewaltigung angeklagt und damit von den Ermittlungen abgezogen. Es scheint eindeutig zu sein, daß Frey mit dem Brandanschlag zu tun hatte, doch Drexler will ihn erst verhaften, wenn er hieb- und stichfeste Beweise hat.

Was bisher sonst noch geschah

In Rostock wurde zunächst Nina Assmann, die Lebensgefährtin des dortigen Mordopfers Andreas Janssen, als Zeugin befragt. Als sie die Todesnachricht erhält, befand sie sich gerade am Flughafen in Frankfurt am Main, wo sie auf Janssen gewartet hatte. Der hatte ihr unterbreitet, mit ihr eine längere Auslandsreise unternehmen zu wollen – mit den 118.000 EUR, die er bei sich hatte, wollte er offenbar für eine gewisse Zeit untertauchen. Der Charakter der Nina Assmann ist dabei herrlich überzeichnet, so daß, auch wenn bei ihr ziemlich alle Klischees bedient werden, die man landläufig von anhänglichen, naiven Frauen hat, die sich von reichen Männern aushalten lassen, nie der Eindruck der Realitätsferne aufkommt. So klammert sich die gute Frau, altersmäßig Mitte Dreißig, an ein Kuscheltier in Form eines pinken Einhorns und fragt Kommissarin König mit tränenerstickter Stimme, was sie denn ohne ihren Mann jetzt tun solle. Entsprechend ist Frau Assmann scheinbar keine große Hilfe, wenn sie immerhin doch erwähnt, Janssen sei spielsüchtig gewesen, hätte das letzte Geld jedoch mit seinem Wissen gemacht. Genauer nachgefragt hatte sie jedoch nicht, so daß sie auch den Rostocker Kommissaren nichts weiter dazu sagen kann.

Nach der Befragung von Jenny Richter will die nicht zu ihrem Vater ins Auto steigen, sondern ist lieber zu Fuß in anderer Richtung unterwegs. Brasch folgt ihr und trifft so auf Kai Förster, den sie später im LKA befragt. Im Laufe der Vernehmung beschuldigt Förster Herbert Richter seit der Wende in illegale Waffengeschäfte verstrickt zu sein und sich auch an der Wende selbst bereichert zu haben.

Und erneut in Rostock befragen König und der plötzlich aufgetauchte Bukow zunächst Siegfried Wagner, Chef der Firma Rheingold Security, wo der flüchtige Heiko Steiner als Fahrer angestellt war. Wagner ist nicht sehr gesprächig, bezieht sich aber auf den Datenschutz, weil die Angaben zu bestimmten Fahrten nicht seine eigene Firma sondern die jeweiligen Auftraggeber beträfen. Dennoch rückt er mit der Sprache heraus und gibt an, daß Steiner für 8cht Ecolutions gefahren ist und der dortige Ansprechpartner ein gewisser Joseph Tischendorf sei. Zudem äußert Wagner seine Bestürzung darüber, daß Steiner womöglich einen Menschen kaltblütig erschossen habe. Daß der kurz nach der Tat bei ihm war und Wagner ihm selbst eingeschärft hat, erst einmal unterzutauchen, erwähnt er gegenüber der Polizei selbstverständlich nicht. Wie klar die Täterschaft Steiners nun dem Zuschauer präsentiert wird, läßt vermuten, daß er Janssen gerade nicht erschossen hat. Ein wundervolles Ablenkungsmanöver in vielen Krimis, um am Ende mit der großen Überraschung aufwarten zu können. Wenig später trifft König auf Joseph Tischendorf, der ihr offenbart, daß Siegfried Wagner sein Vater ist. König wundert sich, daß Wagner diese Tatsache verschwiegen hat, geht der Sache jedoch nicht weiter nach, wohl weil sie bereits zu sehr vom Charme Tischendorfs eingenommen ist.

Drexler teilt sein Wissen mit Brasch.
Drexler teilt sein Wissen mit Brasch.
Bei der Beerdigungsfeier für Astrid Richter konfrontiert Brasch Moritz Richter mit der Erkenntnis, daß seine Frau eine Affäre mit Andreas Janssen hatte und aus diesem Grund nachts mit ihm telephoniert hatte. Über den gesamten Film hinweg ein überaus weinerlicher Charakter bricht Moritz Richter auch hier wieder zusammen, gibt jedoch an, daß das für ihn nichts neues sei – seine Frau habe ein paar Affären gehabt. Auch Tochter Jenny reagiert nicht überrascht. Als Herbert Richter und Dr. Roland Kastner, bereits seit 25 Jahren Staatssekretär im Landesministerium für Wissenschaft und Wirtschaft, zur Befragung stoßen, ist die sogleich vorbei.

Moritz Richter scheint völlig unschuldig.
Moritz Richter scheint völlig unschuldig.
Doch als Brasch vor dem Firmengelände überraschend auf Drexler trifft, hat der neue Erkenntnisse, die eine erneute Befragung der Verdächtigen rechtfertigt. Herbert Richters Kontoauszüge belegen, daß er kurz vor dem Brand 100.000 EUR abgehoben hat. Und Janssen hatte 100.000 EUR bei sich, um sie angeblich bei Tischendorf zu investieren. Richter gibt daraufhin zu, Janssen das Geld als Privatdarlehen zur Begleichung seiner Spielschulden gegeben zu haben. Und Kastner bestätigt das; Herbert Richter sei eben ein derart großzügiger Mann.

Am Abend belauscht Jenny Richter ihren Großvater mit einem ihr unbekannten älteren Mann, den die Zuschauer als Siegfried Wagner erkennen. Sie besprechen illegale Waffenlieferungen nach Somalia und Richter ärgert sich über das Auftauchen von Frey. Doch Wagner verspricht ihm, sich um Frey zu kümmern. Obwohl klar ist, daß Herbert Richter keine weiße Weste hat, verdrängt Jenny Richter diese Tatsache und klammert sich beständig an die Erkenntnis, daß ihr Großvater immerhin niemanden getötet hat und daher ja kein schlechter Mensch sei.

Persönlicher Erstkontakt in Magdeburg

König und Drexler wollen Frey abholen...
König und Drexler wollen Frey abholen…
Bukows Bestechung an seine Psychologin genügt zeitlich nicht, um ihn mit nach Magdeburg zu nehmen, und so tritt König die etwa dreistündige Autofahrt mit Pöschel an. Dort werden sie von Drexler, Uwe Lemp und Brasch in Empfang genommen. Gemeinsam erfahren sie von den neuesten Erkenntnissen von Mautz, der Zahlungen der Richter GmbH an eine Briefkastenfirma namens Iudex Trust in Liechtenstein ausfindig gemacht hat. Hierzu gibt Drexler einen dieser Kommentare ab, mit denen er seine Kollegen ab und an zur Weißglut bringt (wenn er denn einmal anwesend ist):

“Iudex damnatur ubi nocens absolvitur.” – so jedenfalls die richtige Variante des lateinischen Sinnspruchs. Drexler verwendet “cum” anstelle von “ubi” und übersetzt dann mit “der Richter wird verurteilt, wenn der Schuldige freigesprochen wird”. Mit “wo” übersetzt, wird ein wenig klarer, was gemeint ist, und das “cum” ist leider falsch. Aber da die wenigsten Fernsehzuschauer Latein sprechen, fällt das nicht sehr ins Gewicht.

Worauf Drexler in seiner leicht umständlichen Weise auch nur aufmerksam machen wollte, war, daß “iudex” die lateinische Form von Richter ist, die Briefkastenfirma also zu Herbert Richter selbst gehört. Vom Konto der Iudex Trust wiederum wurden mehrere größere Summen Geldes an einen DRK auf ein Off-Shore-Konto auf Jersey transferiert. Pöschel vermutet das Deutsche Rote Kreuz, aber das ist selbstredend Unsinn. Stattdessen stehen die Initialien höchstwahrscheinlich für Dr. Roland Kastner. Brasch und Pöschel wollen Kastner dazu befragen, obwohl sie keine Beweise haben.

... und finden genau das Puzzleteil, das ihnen zur Verhaftung Freys fehlte.
… und finden genau das Puzzleteil, das ihnen zur Verhaftung Freys fehlte.
Gleichzeitig machen sich Drexler und König nach Helmstedt auf, um Frey ins LKA zu holen. Der kommt jedoch Brasch und Pöschel in die Quere, als die gerade bei Kastner sind. Als für ihn belastende Beweise in seinem Haus deponiert werden, hat Frey Kastner dabei erkannt und wollte ihn nun zur Rede stellen. Dazu bemächtigt er sich zufällig einer Waffe und setzt nun das gesamte Gebäude in Angst und Schrecken. Er kann jedoch in seinem Auto fliehen, bevor Brasch und Pöschel seiner habhaft werden können.

  • Selbstredend ist der zweideutige Ausruf “Hier ist frei / Hier ist Frey”, den Pöschel bei der Verfolgung Freys im Gebäude für Brasch mehrfach abgibt, nicht sehr hilfreich, war jedoch von den Drehbuchschreibern als komödiantisches Element definitiv beabsichtigt.
  • Und da ich gerade bei den Drehbuchschreibern bin: das Drehbuch wurde gemeinsam von Regisseur Eoin Moore sowie einer gewissen Anika Wangard verfaßt. Diese hat sich dadurch im Film selbst verewigt, indem sie Freys Psychologen den Namen “A. Wangard” verpaßt hat.

Unterdessen finden Drexler und König bei Frey ein völlig verwüstetes Haus vor. Drexler, noch immer bemüht darum, bei seinem Freund eigenes Verschulden zu suchen, vermutet Autoaggression, glaubt also allen Ernstes, Frey hätte sein Haus selbst derart zerstört – oder wenigstens redet er sich das ein, um vor allem sein eigenes Gewissen zu beruhigen, dem Freund in all den Jahren nicht zur Seite gestanden, sondern lieber an dessen Schuld geglaubt zu haben. Als er dann auch noch zwei mit Benzin getränkte Handschuhe samt Schlüsselkarte der Firma Richter findet, ist er völlig überzeugt. Daß Frey hier wie damals bei der angeblichen Vergewaltigung übers Ohr gehauen, ihm die Beweise also untergeschoben worden sein könnten, zieht Drexler nicht für eine Sekunde in Betracht und belügt dabei nicht nur sich selbst, sondern läßt seinen Freund ein zweites Mal im Stich.

Frey kann nicht mehr entfliehen.
Frey kann nicht mehr entfliehen.
Bei weiteren Recherchen findet sich der photographische Beweis dafür, daß Herbert Richter im Rostocker Hotel Nerius war, als Heiko Richter dort als Wachmann gearbeitet hat. Drexler und König konfrontieren Richter damit in seinem Haus und wollen ihn gerade wegen des Verdachts auf Anstiftung zum Mord festnehmen, als es an der Tür klingelt. Richter vermutet seinen Sohn, doch tatsächlich ist es Frey, der mit der entwendeten Pistole vom Nachmittag Richter erschießen oder ihn zumindest bedrohen und ein Geständnis abringen will. Drexler öffnet Frey die Tür und wenig später kommt es zum Showdown im Vorgarten des Richterschen Anwesens.

Drexler glaubt seinem Freund noch immer nicht.
Drexler glaubt seinem Freund noch immer nicht.
Frey beschuldigt Kastner und Richter, ihm den Brandanschlag in die Schuhe schieben zu wollen, um ihn ein zweites Mal hinter Gitter zu bringen. Doch Drexler glaubt ihm noch immer nicht. Trotz aller bisher gesammelten Indizien und Erkenntnisse denkt er noch immer, daß Frey irgend etwas strafrechtlich verfolgbares getan hat. Als Frey nun erkennt, daß sein Freund ihm noch immer nicht glaubt und ihm nicht helfen wird, richtet er die Waffe auf ihn. Durch einen Schuß in den Oberschenkel kann König ihn jedoch außer Gefecht setzen. Brasch, die mit Pöschel gerade eingetroffen ist, nimmt einem zu keiner Reaktion mehr fähigen Drexler die Waffe ab.

Mittlerweile trifft sich Bukow in Rostock mit Heiko Steiner, weil der um das Treffen gebeten hat. Wir erkennen Siegfried Wagner, der die Szene aus seinem eigenen Wagen beobachtet. Offensichtlich hat er Steiner zuvor Anweisungen darüber gegeben, welchen Mann er gesehen haben soll, der Andreas Janssen getötet hat. Und die Beschreibung, die Steiner Bukow gibt, entspricht klar Ferdinand Frey. Allerdings verrät sich Steiner, als Bukow ihn fragt, an welcher Seite des Halses der Mann eine Narbe gehabt habe. Steiners Antwort darauf, das habe “er” ihm nicht gesagt, macht Bukow für einen Moment mißtrauisch. Im nächsten Moment spürt er bereits das Elektroschockgerät eines Maskierten von außerhalb des Autos. Bukow ist paralysiert, und der Maskierte erschießt Steiner.

Zum Ende von Teil I gehen wir nochmals zurück nach Magdeburg: Herbert Richter wird verhaftet, Ferdinand Frey ärztlich versorgt und Jochen Drexler sitzt teilnahmslos im Auto.

Wendemanöver II: Bukow taucht unter, und Drexler muß mit den Konsequenzen seines Handelns leben

Mit dem zweiten Teil von “Wendemanöver” setzen wir genau dort fort, wo wir bei Teil 1 ausgestiegen waren: mit einem Standbild auf Alexander Bukows Hinterkopf. Wir wissen, daß er Heiko Steiner, der nun als toter Beifahrer neben ihm im Auto sitzt, nicht erschossen hat; als Bukow wieder zu sich kommt, hat er allerdings eine Pistole Typ Makarov in der Hand, so daß für einen Außenstehenden nichts darauf hindeuten würde, daß hier noch andere Personen hätten beteiligt sein können. Die Waffe trägt Bukows Fingerabdrücke, sein Auto ist mit dem Blut samt Faserspuren von Heiko Steiner verziert und im Hintergrund sind bereits Polizeisirenen vernehmbar – und so entschließt sich Bukow dazu, nicht auf die Kollegen zu warten, sondern sein Heil in Versteckspiel und eigener Recherche zu suchen.

Seinen Wagen mitsamt Heiko Steiner versteckt Bukow nun in seiner Garage bzw. der seines Vaters und verbrennt anschließend seine mit Blut bespritzten Kleidungsstücke, nachdem er sowohl Heiko Steiner als auch an den dafür üblicherweise vorgesehenen Ort im Wagen jeweils ein Duftbäumchen gehängt hat. Als wenn das den irgendwann einsetzenden Leichengeruch auch nur ansatzweise überdecken könnte. Aber auf solch einen Einfall kann auch nur ein irischer Regisseur kommen.

Als Bukow sich von der Garage entfernt hat, sehen wir erneut Siegfried Wagner, den wahren Mörder von Heiko Steiner. Er hat alles beobachtet, ist Bukow gefolgt und sicher enttäuscht darüber, daß Bukow nicht als mutmaßlicher Täter festgenommen wurde. Plan B muß also her, und so bricht Wagner in die Garage ein, findet dort die Makarov und deponiert sie schließlich an einer Stelle, die erneut auf Bukow als Täter schließen lassen könnte.

Drexler mit symbolischer Andeutung auf künftige Ereignisse.
Drexler mit symbolischer Andeutung auf künftige Ereignisse.
Bevor wir Bukow weiter verfolgen, wird der Zuschauer jedoch zunächst noch einmal an die bisherigen Erkenntnisse erinnert. Bevor die Rostocker Magdeburg wieder verlassen, will Lemp alle bisherigen Puzzleteile ein wenig entwirren, den aktuellen Stand der Ermittlungen zusammenfassen sowie eingehen auf alle bisher vermuteten Täter und Verdächtigen. So befindet sich Herbert Richter in Untersuchungshaft, weil er den Mord an Andreas Janssen in Auftrag gegeben haben soll. Diesen Mord ausgeführt haben soll Heiko Steiner, der für die Polizei noch immer lebt und flüchtig ist. Weiterhin wird davon ausgegangen, daß Moritz Richter von alldem nichts gewußt haben soll.

Als die Sprache schließlich zu Ferdinand Frey wechselt, fallen alle Blicke automatisch auf Jochen Drexler. Doch der ist schweigsam. Seine Kollegen beantworten Lemps Fragen für ihn. Währenddessen erinnert sich Drexler daran, wie er nur kurze Zeit zuvor seinen Freund in eine Zelle hat stecken lassen müssen. Kurze Sequenzen eines verzweifelten Frey, der Drexler anfleht, ihm das nicht anzutun, wechseln sich ab mit Erinerungsfetzen aus ihrer gemeinsamen Nacht.

Frey sieht nur noch einen Ausweg.
Frey sieht nur noch einen Ausweg.
Direkt auf Frey angesprochen, wird Drexler wieder aus seinen Erinnerungen gerissen. Erneut helfen ihm seine Kollegen; König äußert die allgemeine Vermutung, daß Frey vielleicht gemeinsam mit Janssen Herbert Richter erpreßt hat. Genaueres will Drexler am nächsten Tag mit einer Befragung Freys in Erfahrung bringen.

Das führt uns zu Frey und in seine Zelle, wo er sich mittlerweile beruhigt zu haben scheint. Tatsächlich jedoch hat er mit sich und der Welt abgeschlossen. Vermutlich erinnert er sich an die Zeit seiner ersten Inhaftierung zurück. Auch damals wurden ihm Beweise untergeschoben. Doch so wie jetzt auch sieht er sich einer starken Macht gegenüber, die er nicht zu überwinden glaubt. Und nicht nur das, auch sein Freund glaubt ihm wie damals nicht. Drexler vertraut nicht auf Freys Wort, daß er unschuldig ist, so oft er es auch wiederholt, so sehr er ihm alternative Verdächtige und Szenarien anbietet, denen Drexler nachgehen könnte. Stattdessen sieht Frey nur in das kalte, emotionslose Gesicht seines Freundes, der ihn in der Öffentlichkeit stets ganz bewußt zu verleugnen scheint.

Und so sieht Frey bereits eine erneute Verurteilung gegen sich auf ihn zurollen. Er sieht sich erneut für Jahre unschuldig im Gefängnis, weil Drexler ihm erneut nicht helfen wird. Doch nochmals will er das nicht durchleben müssen. Und so sieht er für sich die einzige ihm verbliebene Möglichkeit, aus diesem Teufelskreis auszubrechen: er verwendet den Verband seiner Schußwunde, um sich in seiner Untersuchungszelle das Leben zu nehmen.

Der kurze Zeit später eintreffende Notdienst kann Frey nicht mehr helfen. Und Drexler beobachtet aus sicherer Entfernung die Wiederbelebungsmaßnahmen, an denen sich Brasch beteiligt. Es ist schwer zu entschlüsseln, welche Emotionen Drexler in diesem Moment bewegen. Anzeichen von Entsetzen und Unverständnis über Freys Entscheidung zeichnen sich in Drexlers Gesicht dennoch ab. Als er Frey weggesperrt hatte, dachte er wieder nur an sich selbst. Er schaffte sich denjenigen vom Hals, der ihn unmittelbar daran erinnert, wer er wirklich ist. Ob er nach dem Gesetz schuldig oder unschuldig ist, ist ihm einigermaßen egal. Wie es seinem Freund dabei geht, blendet er schlicht aus. Und das scheint ihm auf einen Schlag bewußt zu werden, als er seinen toten Freund am Boden liegen sieht.

Nachdem alle Kommissare wieder in ihr Besprechungszimmer zurückgekehrt sind, herrscht zunächst betroffenes Schweigen. Lediglich Drexler scheint erneut völlig unbeteiligt. Er sitzt in seinem Stuhl und ißt ein Butterbrot, während seine Kollegen ihn verständnislos dabei beobachten. Lemp fragt schließlich in die Runde, weshalb Frey den Brand gelegt habe, worauf sich folgendes Zwiegespräch zwischen König und Drexler entfaltet:

König: “Vor seiner Verhaftung hat Ferdinand Frey behauptet, daß es einen Versuch gab, ihn zu töten.”
Lemp: “Müssen wir das ernst nehmen?”
Drexler: “Ferdinand Frey hat viel behauptet.”
König: “Ja, unter anderem, daß er sechzehn Jahre unschuldig im Knast gesessen hat. Er glaubte, Herbert Richter habe das alles eingefädelt und die Vergewaltigung inszeniert. Brandanschlag als Racheakt? … Herr Drexler?”
Drexler: “Er wurde rechtmäßig verurteilt wegen der Vergewaltigung einer zwanzigjährigen Frau. Ferdinand Frey war psychisch instabil. Vielleicht ist es ein Anzeichen einer dissozialen Persönlichkeitsstörung.”
König: “Das war eindeutig ein impulsives Ereignis. Bei ihm zu Hause sieht’s aus, als wär ein Krieg ausgebrochen. Also, das hat er selbst verwüstet, oder was?”
Drexler: “Sie kennen ihn besser.”
König: “Manchmal ist man zu nah dran, um die Form zu erkennen.”

Damit spricht König jedoch lediglich einen Teil von Drexlers Problem an. Mit seinem Butterbrot flüchtet sich dieser in eine Ersatzbeschäftigung und klammert sich zudem noch stärker als zuvor an die rechtmäßige Verurteilung. Für sein eigenes Seelenheil muß er weiterhin davon überzeugt sein, daß Frey schuldig ist. Denn im umgekehrten Fall müßte sich Drexler eine Mitschuld am Tod seines Freundes eingestehen. Drexler schützt sich also einmal wieder selbst und verrät dabei seinen Freund sogar über dessen Tod hinaus.

Angeblich Unbeteiligte werden zu Schuldigen

Unterdessen wurden Blut und Glassplitter vor Heiko Steiners Wohnung in Rostock gefunden, und es existiert eine Zeugenaussage, die angibt, am Tatort sei ein schwarzer Kombi mit einem “großen, fetten Typ” darin gewesen. Unter aller Garantie handelte es sich bei dem Zeugen um Siegfried Wagner.

Wieder in Magdeburg sucht Jenny Richter erneut das Gespräch mit Doreen Brasch. Jenny weiß genau, daß ihr Großvater die Waffenindustrie beliefert, und sie ist nicht eben begeistert davon. Dennoch will sie ihn nicht ans Messer liefern und verkündet zudem, daß sie überzeugt davon ist, daß er mit einem Mord oder der Anstiftung dazu nichts zu tun habe. Das von ihr belauschte Gespräch kann sie jedoch nur bruchstückhaft wiedergeben, auch weil sie sich zu sehr ihren Gefühlen hingibt. Immerhin rückt sie noch damit heraus, daß der Mord an Andreas Janssen wohl etwas mit den Geschäften ihres Großvaters zu tun gehabt haben könnte, doch dann ist Jenny auch schon wieder aus der Tür.

Drexler befragt Herbert Richter.
Drexler befragt Herbert Richter.
Am nächsten Morgen befragt Drexler Herbert Richter zu den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen bezüglich des vermuteten Auftragsmords an Andreas Janssen. Drexler fragt Richter, weshalb er im Hotel Nerius in Warnemünde war, als Heiko Steiner dort zum Sicherheitspersonal gehörte. Doch Richter stellt sich so dumm wie nur irgend möglich, und seine Anwältin tut ihr möglichstes, daß Richter so wenig wie möglich sagt. Als Drexler bei dem Mord nicht weiterkommt, will er wissen, woher Richter Ferdinand Frey kennt, andernfalls hätte der ihn kaum töten wollen.

Drexler spricht die ZERV an und fragt, ob Frey eventuell Mitte der 90er Jahre gegen Richter ermittelt hat. Von der ZERV will Richter nun hier zum ersten Mal gehört haben, doch Drexler bleibt weiterhin ruhig und besonnen, erklärt ihm, was es mit der ZERV auf sich hat, und die Anwältin erklärt Drexler, daß sämtliche Fälle aus der Zeit längst verjährt seien. Dessen ist sich Drexler selbstverständlich im Klaren, sieht auf Grund dessen für Richter erst recht keine Veranlassung dazu zu lügen. Mit dieser Einlassung ist für die Anwältin jedoch das Gespräch beendet, denn immerhin wurde Richter wegen Anstiftung zum Mord inhaftiert. Drexler hat dafür keine Beweise und muß Richter daher wieder laufen lassen.

Es müssen also endlich Beweise her. Dafür durchforsten Brasch und Mautz Akten der Firma Richter, um etwas in Sachen Somalia ausfindig zu machen. Und Drexler kümmert sich um Freys Akten von der ZERV. Währenddessen läßt König in Hamburg jegliche berufliche Distanz zu einem Zeugen vermissen, als sie in einem Bio-Geschäft auf Joseph Tischendorf trifft. Zuvor haben wir ein Telephongespräch von dessen Vater mit einer Henriette in Hamburg belauscht, bei der es sich um die Mutter von Joseph handelt. Offenbar macht sie sich Sorgen, doch Wagner versichert ihr, daß er sich um alles kümmert. Auf der Dienststelle erfährt König gemeinsam mit ihren Rostocker Kollegen, daß das Blut auf der Straße tatsächlich von Heiko Steiner stammt und daß Bukow auch dort war. Der Blutdruck des gerade aus dem Urlaub zurückgekehrten Henning Röder steigt sichtbar und er schärft allen ein, daß nichts davon nach außen dringen soll, auch nicht zu den Magdeburgern.

Als Vater Bukow seinen Sohn darüber informiert, daß er von jemandem in einem schwarzen 5er BMW beobachtet wird, erhält er zudem noch Besuch von seinen Kollegen. Veit Bukow ermöglicht seinem Sohn die Flucht, doch in der Mülltonne von “Veit’s Klub” entdecken Bukows Kollegen die Makarov. Daraufhin wird Bukow zur Fahndung ausgeschrieben. Von beidem erhält er Kenntnis, als er später aus einer Telephonzelle heraus seine Mailbox abruft.

  • Es scheint eine Art “running gag” zu sein, eine Bukow-Szene stets damit zu beenden, daß er auf irgend etwas einschlägt.
  • Kommissar Pöschel ist nicht unbedingt der hellste, doch Moral und Ehrlichkeit gehen ihm über alles. So pocht er auch als Einziger darauf, die Magdeburger über die neuesten Erkenntnisse zu Bukow nicht im Dunkeln zu lassen.

Nina Assmann kommt Drexler irgendwie bekannt vor.
Nina Assmann kommt Drexler irgendwie bekannt vor.
In Magdeburg trifft Nina Assmann im LKA ein, um sich um die Leichenüberführung ihres Freundes Andreas Janssen zu kümmern. Dabei schaut sie sich auffällig lange ein Photo von Ferdinand Frey an, was Drexler nicht entgeht. Sie scheint ihm auch seltsam bekannt vorzukommen. Doch bis er dieser Spur nachgehen kann, muß er noch seine ZERV-Aktendurchsicht beenden. Seine diesbezüglichen Ergebnisse präsentiert er Brasch wenig später in einer für ihn geradezu enthusiastischen Art und Weise.

Direkt nach der Währungsunion Mitte der 90er Jahre gab es ein Zeitfenster von wenigen Monaten, in denen Leiter ehemaliger DDR-Betriebe in Scheingeschäften mit Ostblockländern den Staat um Millionen von D-Mark betrogen haben, den sogenannten Transferrubelbetrug. Herbert Richter war Leiter des VEB Schalt- und Regeltechnik in Magdeburg und hat damals gemeinsam mit der Hamburger Firma Isstatec viel unlauteres Geld gemacht. Jedenfalls ging Ferdinand Frey davon aus und hat deshalb wohl gegen Richter ermittelt. So Drexlers Vermutung. Doch Brasch ist noch nicht überzeugt, immerhin sei das ja jetzt längst verjährt und Frey könne Richter wegen dieser Sache nicht mehr erpressen. Es müsse noch etwas anderes geben. Das weiß nun auch Drexler, hat jedoch nach eigener Aussage noch ein paar lose Fäden, denen er nachgehen könne.

Brasch ist über Drexlers Verhalten leicht irritiert und fragt ihn schließlich, wie es ihm gehe. Und der antwortet ihr beinahe noch enthusiastischer, daß es ihm sehr gut ginge. Im Laufe seiner Jahre ist Drexler wirklich zu einem Meister der Verdrängung herangereift.

  • Brasch trägt gerade einen Karton, wohl bepackt mit Akten, in beiden Händen, als Drexler sie förmlich überfällt. Im Anschluß benutzt Drexler diesen Karton als Ablage für seine eigenen Akten sowie als Stütze für beide Arme. Eine etwas unterschwellige komödiantische Szene, die ihre Wirkung bei mir jedoch nicht verfehlt hat.
  • Bevor Drexler Brasch wieder verläßt, verrückt er den Pin an einem Plakat an einer Pinwand etwas, so daß das Plakat wieder gerade und wellenfrei hängt. Ein klares Zeichen dafür, daß er versucht, sich mit viel Arbeit und Zwangshandlungen vom Tod seines Freundes abzulenken.

Im Hause Richter setzt unterdessen die Enkelin ihren Großvater unter Druck, indem sie wissen will, mit wem er die Geschäfte mit Somalia macht und worum es sich dabei handelt. Doch der laviert sich da mit inhaltslosen Ausflüchten heraus und drückt schließlich auf die Tränendrüse, indem er Enkelin und Sohn offenbart, daß er seiner Krankheit wegen nicht mehr lange zu leben hat und seine verbleibende Zeit nicht im Familienstreit verbringen will.

Da Kai Förster Kenntnisse zu Interna der Richter GmbH besitzt, arbeitet Brasch nun die Computer der Firma durch und findet schließlich das Schlupfloch. Tadellos funktionierende Waffen wurden offenbar als schadhaft deklariert und angeblich zu einem Recyclinghof gefahren, worüber jedoch keine Quittungen existieren. Als sie das Pöschel in Rostock mitteilt, will der ihr gerade offenbaren, daß sie Probleme mit Bukow haben, als Thiesler dazukommt und das Gespräch abrupt abbricht.

Auch Drexler hat neue Details zu Tage fördern können. Bei einer Konferenzschaltung mit den Rostockern teilt er allen mit, daß die Treuhand 1994 den VEB Schalt- und Regeltechnik verkauft und zuvor deren Bilanzen überprüft hat. Spätestens hier hätte der Transferrubelbetrug von Herbert Richter auffallen müssen. Chef der Treuhand in Halle war allerdings Dr. Roland Kastner und sein Wirtschaftsprüfer Andreas Janssen. Kastner dürfte mit Geldzahlungen auf sein Konto in dieser Zeit ein ordentliches Vermögen gemacht haben. Käuferin des VEB war schließlich die Isstatec in Hamburg, deren Inhaberin Henriette Tischendorf ist. Sie hat innerhalb von zwei Jahren den VEB zerschlagen und gewinnbringend verkauft. Ferdinand Frey war also vermutlich Kastner und Janssen und damit auch Richter auf der Spur. Allerdings fehlt noch immer das eine Puzzleteil, das erklärt, womit Frey Richter erpreßt haben könnte.

Das ist nicht Bukows Shirt.
Das ist nicht Bukows Shirt.
König ist nach der Unterredung jedoch anderweitig besorgt. Immerhin hat sie gerade erfahren, daß Joseph Tischendorf künftiger Geschäftsführer der Isstatec Firma ist. Und Andreas Janssen war mit den 100.000 EUR ausgerechnet zu ihm gekommen, bevor er erschossen wurde. Ihr wird klar, daß Joesph Tischendorf nicht so unschuldig und charmant ist, wie er sich ihr gegenüber stets verhalten hat. Abends wartet Bukow vor Königs Wohnung in einem geliehenen Fahrzeug. Er teilt ihr mit, daß Heiko Steiner tot ist und will sie zur Leiche in der Garage seines Vaters bringen. Doch von seinem eigenen Fahrzeug samt Leiche fehlt jede Spur. Er ruft seinen Vater über Königs Mobiltelephon an, doch der will nicht über einen Polizeiapparat mit ihm sprechen. Sie verabreden sich für den kommenden Morgen. Da König Bukow nicht wieder gehen lassen will, übernachtet er bei ihr. Am nächsten Morgen ist er jedoch nicht mehr da, als König erwacht.

Drexler versucht Ordnung ins Chaos zu bringen.
Drexler versucht Ordnung ins Chaos zu bringen.
In der Nacht ist Drexler erneut in Freys Haus, wo er ein wenig halbherzig, vielleicht auch ein wenig hilflos, hier und da etwas Ordnung schafft. Besonders wichtig scheint ihm zu sein, Freys Portrait, das nach der Verwüstung des Hauses zerbrochen am Boden lag, von den Glasscherben zu befreien und wieder an seinen alten Platz zu stellen. Dies ist ein höchst metaphorischer Akt. Dreimal haben wir das Bild gesehen:

  1. Als Drexler zum ersten Mal das Haus betreten hat stand es hinter dem Glas an seinem Platz. Regisseur Eoin Moore hat Drexler oft hinter Glasscheiben gefilmt, als Zeichen dafür, daß er nicht richtig zu dieser Welt gehört, sich abschottet und niemanden an sich heranläßt. Diese symbolische Wand in Form der Glasscheibe stand hier auch zwischen Drexler und Frey;
  2. Zum zweiten Mal sehen wir das Photo, als es mit Glasscherben bedeckt am Boden liegt und Drexler wenig später die deponierten Indizien findet. Die Wand als Glasscheibe ist zerbrochen, einige Indizien sprechen für Freys Unschuld, doch Drexler kann oder will diese nicht sehen. Er beläßt das zerstörte Bild am Boden, was damit eine neue Symbolik annimmt: nun steht es für das zerstörte Leben Freys und damit auch die zerstörte Beziehung zwischen ihm und Drexler;
  3. Und schließlich zum dritten Mal, als Drexler das Photo von seiner Zerstörung befreit und es wieder an seinen Platz stellt. Die Wand ist verschwunden, Drexler erkennt mehr und mehr, daß Frey weder psychisch instabil war noch eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hatte. Indem er das Bild wieder zurückstellt, deutet er an, daß er bereut, dies nicht schon früher erkannt zu haben. Denn jetzt ist es zu spät.

Schließlich finden wir Drexler in Freys Bett, wo er sich die Zeitungsausschnitte zu dessen Prozeß anschaut. Und dabei erkennt er schließlich in dem angeblichen Vergewaltigungsopfer Liane Reuter die Freundin von Andreas Janssen, Nina Assmann.

Nina Assmann wird mit ihrem alter ego Liane Reuter konfrontiert.
Nina Assmann wird mit ihrem alter ego Liane Reuter konfrontiert.
Drexler setzt sich endlich für seinen Freund ein.
Drexler setzt sich endlich für seinen Freund ein.
Am nächsten Morgen konfrontiert Drexler Nina Assmann in deren Wohnung mit dem Zeitungsartikel, und sie gibt zu, damals 15.000 D-Mark für ihre Rolle als Vergewaltigungsopfer erhalten zu haben. Wie Frey selbst Drexler gegenüber bereits vermutet hatte, wurde er mit KO-Tropfen außer Gefecht gesetzt, so daß Assmann mit Hilfe von Janssen und noch einem anderen Mann alles dafür tun konnten, Frey als Vergewaltiger dastehen lassen zu können. Janssen habe Assmann damals gesagt, Frey sei ein “fieser, korrupter Bulle” gewesen und habe das verdient. Nach dieser Einlassung bricht es endlich aus Drexler heraus:

“Nein! Das war er nicht; ganz sicher nicht. Sie glauben wohl alles, was man Ihnen erzählt, wie?”

Und damit verweist er auch wieder auf sich selbst, klagt im Grunde sich selbst an, all das geglaubt zu haben, was andere ihm über seinen Freund erzählt haben. Er weiß selbst, daß es dafür jetzt zu spät ist, um seinen Freund noch zu retten. Aber wenigstens kann er ihm noch zu einer gewissen Gerechtigkeit verhelfen. Als Assmann in ihrer unnachahmlich naiv-zynischen Art insistiert, daß diese ihre Tat mittlerweile doch sicher verjährt sei, meint Drexler seinen Ohren nicht zu trauen und offenbart ihr, daß ihre Verjährungsfrist mit der Haftentlassung Freys beginnt. Und das sei erst ein paar Monate her. Gemeinsam mit Brasch findet er schließlich Beweise dafür, daß Janssen offenbar beide Söhne, Moritz Richter und Joseph Tischendorf, erpreßt hat.

Und so nimmt diese Geschichte beinahe biblische Ausmaße an: die schmutzigen Geschäfte haben zwar die Väter gemacht, doch die Söhne sind nicht frei von Schuld. Denn sie erben die jeweilige Firma und führen ein gutes Leben, das auf unredlichem Grund errichtet wurde. Die Väter zu erpressen, würde diese nicht sehr treffen, denn sie haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, daß sie skrupellos genug sind, sich sämtlicher Mittel zu bedienen, um dem Gesetz zu entgehen. Indem Janssen die Söhne erpreßte, hat er ihnen aufgezeigt, daß sie ihrem Schicksal nicht entfliehen können. Und beide wurden daraufhin auf ihre Art kriminell: Moritz Richter hat die Firma des Vaters in Brand gesetzt, weil er die direkte Konfrontation scheute. Daß er dabei seine eigene Frau getötet hat, hat er nicht gewollt, ihm jedoch aufgezeigt, daß er seinen Vater nicht beerben und damit dessen schmutzige Geschäfte weiterführen will. Konsequenterweise will er die Firma verkaufen. Joseph Tischendorf auf der anderen Seite hat Janssen erschossen, weil er fürchtete, dieser könnte doch irgendwann zur Polizei gehen. Und dann wäre es mit Tischendorfs Saubermann-Image und seiner Öko-Firma in Rostock definitiv vorbei gewesen.

Showdown in Rostock

Veit Bukow steht hinter seinem Sohn.
Veit Bukow steht hinter seinem Sohn.
Als Bukow sich mit seinem Vater am Hafen trifft, ist der noch nicht dazu bereit, ihm Wagen mitsamt Inhalt zu überlassen. Bukow Jr. wird auch noch immer von dem schwarzen BMW verfolgt. Bukow Sr. schließt aus dem Kennzeichen HRO-RG, daß es sich um jemanden der Firma Rheingold handeln könnte, dort wo Heiko Richter gearbeitet hat. Bukow Sr. erinnert sich, daß der Chef von Rheingold, Siegfried Wagner, zu DDR-Zeiten Oberstleutnant bei der Stasi gewesen und zu Beginn der 80er Jahre in geheimer Mission in den Westen gegangen sei. Ihm nun traut Veit Bukow den Mord an Heiko durchaus zu. Grund genug für Alexander Bukow, direkt zu Rheingold zu fahren und sich im Büro von Siegfried Wagner umzuschauen. Dort entdeckt er den Elektroschocker und hat nun Gewißheit darüber, daß Wagner Heiko Steiner erschossen hat. Allerdings wird Bukow von Wagner und einem Sicherheitsmann überrascht und kann nur mit Mühe entkommen.

Unterdessen ist Jenny Richter in eigener Mission unterwegs. Sie hat einen Lieferauftrag mit dem Code der Lagerhalle des ehemaligen VEB Schalt- und Regeltechnik gefunden und findet dort einen Container mit den illegalen Waffen. Leider läßt sie sich in den Container einschließen, und Kai Förster, der ihr gefolgt ist, um ihr zu helfen, wird in der Halle niedergeschlagen. Herbert Richter soll sich nun auf Geheiß von Siegfried Wagner um Förster kümmern, wobei er und sein Sohn Moritz erfahren, daß sich Jenny im Container befindet. Und so befinden sich auch Richter Sr. und Richter Jr. auf dem Weg nach Rostock, wo Drexler und Brasch bereits angekommen sind.

Drexler lernt Bukows Vater kennen.
Drexler lernt Bukows Vater kennen.
Nun wird zunächst die ballistische Untersuchung zur Makarov besprochen. Mit der Waffe sind tatsächlich Andreas Janssen und Heiko Steiner erschossen worden, allerdings bereits im Jahre 1994 ein gewisser Mathias Rhode, Mitarbeiter der Treuhand in Halle. Das macht Drexler stutzig. Er befördert schließlich eine Liste zutage, die offenbart, daß Kastner, Janssen und Rhode damals Tür an Tür bei der Treuhand gesessen haben. Rhode wollte nun am Klüngel von Kastner, Janssen, Richter und Co. nicht beteiligt sein und wollte auspacken. Daraufhin wurde er erschossen, und Ferdinand Frey, der den Fall sicher aufgeklärt hätte, mit der inszenierten Vergewaltigung aus dem Weg geschafft.

Es mag nicht auf den ersten Blick einleuchten, weshalb Frey nicht auch einfach erschossen wurde. Doch auf dem verfolgten Weg bestand wohl eine größere Chance, daß die Ermittlungen gegen Kastner und Co. nicht wieder aufgenommen wurden. Weniger einleuchtend ist, daß damals den Zusammenhang offenbar niemand gesehen hat, daß Frey also völlig allein stand und niemand den Verdacht hatte, daß er mit seinen Untersuchungen jemandem im Weg gestanden haben könnte.

Nachdem König und Drexler Joseph Tischendorf in Gewahrsam genommen haben, werden auch Siegfried Wagner, Herbert Richter und Moritz Richter zusammen mit Jenny Richter verhaftet. Daß in dem Zusammenhang herauskommt, daß Siegfried Wagner seine Firma Rheingold nach der Oper von Richard Wagner und seine Briefkastenfirmen Wotan, Erda, Freia und Fricka nach Rollen der Oper benannt hat, ist für meinen Geschmack ein wenig zu viel des Guten, also zu eindeutige Metaphern und klare Bezugspunkte zu Siegfried Wagner, mit denen er geradezu darum zu betteln scheint, mit seinen Machenschaften irgendwann aufzufliegen. Sollte das tatsächlich sein Ziel gewesen sein, hat er es nun erreicht. Und als Veit Bukow einem verdutzten Drexler auch noch die Leiche von Heiko Steiner vor die Füße fährt, sind sämtliche Beweise eingetroffen, um die Angeklagten mit diesen zu konfrontieren.

Tischendorf offenbart sein wahres Gesicht.
Tischendorf offenbart sein wahres Gesicht.
Jenny erfährt die Wahrheit vom Tod ihrer Mutter.
Jenny erfährt die Wahrheit vom Tod ihrer Mutter.
Wir sehen zunächst Siegfried Wagner mit seinem Sohn Joseph Tischendorf, die von König und Bukow befragt werden und dabei keinerlei Reue erkennen lassen. So etwas wie eine menschliche Regung zeigt lediglich Tischendorf, als König ihn darüber informiert, daß seine Mutter in Hamburg bewußtlos aufgefunden wurde. Sie hatte versucht, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen und hat nur deshalb überlebt, weil die Polizei sie festnehmen wollte.

Ein etwas anderes Szenario erleben wir bei der Vernehmung der Familie Richter durch Brasch und Drexler. Jenny Richter erfährt von ihrem Vater, daß er das Feuer in der Firma gelegt und damit unbeabsichtigt seine Frau und Jennys Mutter getötet hat. Während beide in Tränen aufgelöst sind, sitzt Herbert Richter teilnahmslos daneben, so als würde ihn alles nichts angehen. Nur als sein Sohn damit herausrückt, daß tatsächlich er das Feuer gelegt hat, weil er wollte, daß die Polizei von den illegalen Geschäften seines Vaters erfährt, scheint er kurzzeitig betroffen. Weshalb Moritz Richter nicht direkt zur Polizei gegangen ist, um seinen Vater anzuzeigen, leuchtet erneut nicht direkt ein, erklärt sich jedoch möglicherweise mit dem ängstlichen, unterdrückten Charakter Moritz Richters. Er scheut die direkte Konfrontation und hat sich daher für diesen eher feigen Anschlag entschieden.

Fazit

Auch Drexler fühlt sich schuldig.
Auch Drexler fühlt sich schuldig.
Das letzte Wort von “Wendemanöver” ist Drexler vorbehalten, der auf die Frage von Brasch, ob alles in Ordnung sei, antwortet “nicht wirklich”. Welch ein Unterschied zu dem beinahe enthusiastisch aufgelegten Drexler kurz nach Ferdinand Freys Tod. Mittlerweile hat er mehr als deutlich realisiert, wie falsch sein Urteil über den Freund war und daß er auch eine gewisse Mitschuld an dessen Tod trägt. Eine Rückkehr zum normalen Polizeidienst ist unter diesen Umständen für Drexler sicher nicht vorstellbar. Und möglicherweise ging Sylvester Groth dieser Gedanke auch durch den Kopf, als er sich dazu entschieden hat, die Rolle abzugeben. Ich hoffe, daß im nächsten Magdeburger Polizeiruf darauf kurz eingegangen, also erklärt wird, weshalb Drexler den Dienst quittiert hat oder weshalb er sonst nicht mehr dabei ist. Leider wird der neue Kollege an Braschs Seite ein braver Familienvater sein, der eher ins gesellschaftliche Bild paßt als der homosexuelle und nach außen hin unsympathische Drexler. Typen wie Drexler gibt es im Fernsehen leider viel zu selten.

Es ist wohl, auch angesichts der Länge dieses Essays, unschwer zu erraten, daß mir dieser Polizeiruf ausnehmend gut gefallen hat. Die Charaktere zeichnen sich durch Ecken und Kanten aus und sind nicht schwarz und weiß gezeichnet. Die Geschichte hat viel Tiefgang und läßt dem Zuschauer Zeit, sich eigene Gedanken zu machen. Dieser Polizeiruf präsentiert nicht nur, er läßt nachdenklich zurück, denn er legt den Finger nicht nur in die Wunde übler Machenschaften, sondern offenbart auch, was geschehen kann, wenn Menschen sich einer Minderheit zugehörig fühlen, das jedoch nicht wollen, weil sie wissen, daß die Mehrheit sie dafür nicht akzeptiert. Und genau mit dieser Einstellung bleiben diese Menschen dann ihr Leben lang Außenseiter und verlieren vielleicht sogar den einen Menschen, mit dem sie glücklich sein könnten.

Nur ein einziges Problem habe ich mit “Wendemanöver”: war es wirklich nötig, Ferdinand Frey sterben zu lassen? Vom dramaturgischen / psychologischen Standpunkt her vielleicht; so wie Drexler zuvor agiert hat, hätte er sich wohl nie wirklich um die Rehabilitierung Freys bemüht, wenn der den Film überlebt hätte. Doch das führt nur wieder zu einem anderen Problem: der sonst so um Details versessene und daraus das große Granze ableitende Drexler versagt plötzlich in ganz großem Stil, wenn es um jemanden geht, an dem ihm tatsächlich etwas liegen sollte. Ich habe oben versucht, Drexlers Kälte und Ignoranz zu erklären, doch einen wirklichen Sinn ergibt es nicht. Denn jemanden, mit dem ich kurz zuvor noch eine gemeinsame Nacht verbracht habe, mit dem ich einst “gut befreundet” war, behandle ich wenig später nicht wie jemanden, den ich kaum kenne. Der sonst so völlig ohne Vorurteile agierende Drexler ist in “Wendemanöver” das personifizierte Vorurteil. Ich habe das alles nun versucht damit zu erklären, daß er den Kollegen gegenüber verbergen wollte, daß er mit Frey eine homosexuelle Beziehung hatte. Doch so völlig verschlossen war er, was sein Privatleben betraf, zuvor auch nicht. Der Flirt mit dem Bibliothekar in “Eine mörderische Idee” fällt mir da etwa ein. Seine Kollegen haben es also wenn schon nicht gewußt, dann definitiv geahnt.

Frey hätte also gerettet werden und den Rest des Films im Krankenhaus verbringen können. Drexler wäre durch den Selbstmordversuch ausreichend wachgerüttelt worden. Oder aber seine Kollegen hätten die Puzzleteile zusammengesetzt. Doch indem die Drehbuchautoren Frey haben sterben lassen, haben sie auch für mögliche weitere Folgen eine Fortsetzung der Drexler / Frey-Geschichte ausgeschlossen. Daß Sylvester Groth nach “Wendemanöver” den Polizeiruf aus Magdeburg verlassen würde, hat zum Zeitpunkt des Drehs sicher noch niemand gewußt. Vielleicht hat man Frey also sterben lassen, um Groth bei der Rolle zu halten, damit er eben nicht noch mehr aus Drexlers Privatleben offenbaren muß.

Sei es wie es sei. Ab dem Zeitpunkt, als Frey tot war, habe ich jedenfalls darauf gehofft, daß am Ende von “Wendemanöver” wenigstens eine kurze Szene gezeigt wird, die verdeutlicht, daß es Drexler doch etwas ausmacht, daß sein Freund auf solch eine erniedrigende Weise sterben mußte. Ich hatte darauf gehofft, entweder Drexler allein oder ihn gemeinsam mit Brasch vor Freys Grab zu sehen. Die kurze letzte Szene im Auto deutet zwar an, daß Drexler sein Verhalten bereut, doch wirklich befriedigend ist das nicht. Schon deshalb hoffe ich, daß im nächsten Polizeiruf wenigstens kurz auf Drexler eingegangen wird.


Noch bis zum 27. Oktober 2015 respektive 04. November 2015 können Teil 1 sowie Teil 2 von “Wendemanöver” in der Mediathek der ARD angeschaut werden.

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