Timelapse: Planetarium Bochum

Ich weiß, daß es den ein oder anderen Besucher meines Blogs gibt, der / die sich fast täglich mein 365+1-Bilder-Projekt anschaut. Trotzdem will ich nicht, daß das heutige Bild irgendwie untergeht, zumal es auch ein weiterer Versuch ist, ein Zeitraffer-Gif zu erstellen. Noch immer habe ich kein Programm zum schnellen Erstellen eines Films, also mußte das erneut manuell geschehen: 61 Bilder (aller zehn Sekunden aufgenommen), verkleinert und mit etwas mehr Farbintensität versehen, dann in Corel PHOTO-PAINT 11 als Film zusammengefügt und als Gif gespeichert — und schon war Bild 025 / 365+1 (nach etwa einer Stunde) fertig:

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Der Geologe aus Kassel

Zuweilen, wenn einige Zufälle an einem Tag oder zu einem Ereignis zusammen kommen, möchte man gerne an Schicksal glauben. So auch ich gestern, als ich mit einem debilen Lächeln im Gesicht diesen Freitag, den 13. auf meinem heimischen Sofa noch einmal Revue passieren lassen habe.

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Vorgenommenes und nicht Erledigtes

Bevor ich gleich ins Bett gehe, will ich noch einen kleinen Rant loswerden: Ich hatte mir ja vorgenommen, heute entweder meinen englischen Kommentar über Schiedsrichter oder die Rezension zu einem gelesenen Buch zu schreiben. Beides habe ich nicht geschafft, weil ich sowas auf Arbeit einfach nicht hinbekomme, und dort war ich heute von 13-21 Uhr, wobei ich in den letzten 1 1/2 Stunden dieser Zeit am letzten Teil der Radio-Umfrage von Mingle teilgenommen habe.

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Estland und die Burgruine Brandenburg

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, diesen Eintrag nicht mit “eigentlich” zu beginnen, was nämlich bedeuten würde, daß ich mit meinen Plänen grandios gescheitert wäre. Und so ist es auch. Eigentlich also hatte ich mir vorgenommen, im durchgehenden IC von Bochum nach Dresden mein Laptop aufzuschlagen, um meine heutigen Erlebnisse ohne handschriftlichen Zwischenschritt sofort von der Tastatur aufs digitale Blatt zu transferieren.

Ich setzte mich also in Bochum auf einen Platz einer Vierergruppe, die für Altenbeken bis Kassel-Wilhelmshöhe reserviert war, in der vagen Hoffnung, daß die Reservierthabenden in Altenbeken einfach nicht auftauchen würden. Dem war aber leider nicht so, weshalb ich also in Altenbeken raus auf den Gang mußte (weil ansonsten beinahe jeder Platz besetzt war) und dort weitergelesen habe. Kassel-Wilhelmshöhe war ja schließlich nur zwei Haltestellen entfernt – da würde ich mich einfach wieder zu der Vierergruppe bewegen, nachdem dort alle Aussteiger ausgestiegen und bevor alle Einsteiger eingestiegen sind.

Leider hatte ich dabei nicht damit gerechnet, wie sehr die Einsteiger nach einem Sitzplatz gierten. Ich kam gerade noch dazu, meine Laptoptasche  zu packen, doch noch bevor ich meine Kraxe über die Schultern werfen konnte, war die Meute bereits in den Wagen auf meine freien Plätze gewalzt.

Nach einem kurzen Frustflash offenbarten sich mir jedoch zwei weitere Optionen: 1) Auf dem Gang des angrenzenden Wagens, wo genug Platz für einen Kinderwagen war (bevor ich mich dort breitgemacht hatte), entdeckte ich eine etwas altmodisch aussehende Steckdose, die sich jedoch als unbrauchbar erwies, als ich mein Laptopkabel hineinpflanzte. Eine Verbindung zum Stromnetz wäre also möglich gewesen, ohne Strom allerdings war es dasselbe wie ein menschlicher Körper ohne Blut: tot, genau. Also weiter zu Option 2) den Tag handschriftlich aufpinseln und dann später viel schneller abtippen, weil man sich schließlich keine Gedanken mehr darüber machen muß, was man eigentlich schreiben wollte. Und letzteres ist genau das, was ich gerade mache, neben ab und zu aus dem Fenster zu schauen und nach Sehenswürdigkeiten für verwackelte Minutenfilme Ausschau zu halten. Die Ruine kurz vor Eisenach habe ich bereits erwischt:

Es handelt sich dabei um die Burgruine Brandenburg, wie ich — mittlerweile bereits wieder zu Hause — über Google Maps herausgefunden habe:

Kartenansicht der Burgruine Brandenburg bei Eisenach

Buchenwald sollte ich vor dem Sonnenuntergang noch schaffen. Aber vielleicht verrechne ich mich da auch gerade. Wobei ich mich heute ganz und gar nicht verrechnet habe, war meine Annahme, daß ich auf die Frage an meine Studenten, ob sie noch handschriftliche Briefe schreiben und verschicken würden, als Antwort nur ein jammervolles Schweigen sowie verständnislose Blicke erhielt. Die positivste Antwort kam von einer Studentin, die bis vor drei Jahren noch eine Brieffreundschaft gepflegt hat, dicht gefolgt von den Briefen zu Weihnachten eines Studenten. Ansonsten konnte sich jedoch niemand daran erinnern, überhaupt je einen Brief geschrieben zu haben.

Die Generation Facebook gibt nur noch Statusmitteilungen ab, das aber aller fünf Minuten. Längere, zusammenhängende Texte sind out. Man könnte schließlich etwas verpassen — also die unzähligen Statusmitteilungen seiner 973 Freunde bei Facebook –, wenn man sich rund eine Stunde damit beschäftigen würde, etwa fünfzig Statusmitteilungen des vergangenen Tages aneinanderzureihen. Facebook könnte bei der Erinnerung helfen, daß man ja nichts vergißt, aber wozu alles doppelt aufschreiben? Deshalb schreibt ja auch kein Mensch mehr mit der Hand. Wozu auch?

Die Net- und Notebooks unserer Tage sind elektronisch und mittlerweile so klein wie früher ein Notebook auf Deutsch: ein Notizbuch, mit richtigen Seiten zum blättern aus Papier. In so ein Notebook paßt auch viel mehr rein als in ein Notizbuch. Das denkt man so lange, bis der Akku runter oder — noch viel schlimmer — die Festplatte Schrott ist. Dann sollte man vor wenigstens fünf Minuten seinen gesamten Notebookinhalt noch irgendwo sonst gespeichert haben — bestenfalls auf einen Stick, der ein bißchen so aussieht wie ein altmodischer Stift, den man früher dafür brauchte, die eigene Sauklaue zu Papier zu bringen. Man kann auch alles auf CDs brennen, doch wenn man das aller paar Tage macht, ist die Wegrationalisierung des Notizbuchs nicht wirklich eine Verbesserung, ganz zu schweigen von etwaiger Platzersparnis.

Gerade ist mein Zug an Buchenwald vorbeigefahren, ohne daß ich ein Bild oder einen Videobeweis hätte machen können. Es ist in der Tat mittlerweile viel zu dunkel, so daß ich bestenfalls mein eigenes Spiegelbild knipsen könnte. So habe ich von dieser Fahrt lediglich ein verwackeltes Video einer realiter wirklich hübschen Ruine — sehr enttäuschend!

Definitiv nicht enttäuschend war heute die Auslosung der Play-offs zur Euro 2012. Während ich nach meinem Seminar an zwei Computern gleichzeitig hantierte (an meinem habe ich die Lawrence-Briefe bis einschließlich 1926 ausgedruckt; an Kathrins die beiden Lexikonartikel zur Epistolographie eingescannt), schaute ich mit einem Auge immer mal wieder auf die UEFA-Live-Grafik, und just als ich die letzte Seite eingescannt hatte, ploppte Estland im Fenster auf, während das Spiel Türkei vs Kroatien bereits feststand.

Ich wollte unbedingt Estland als irischen Gegner, weil mir das von den vier möglichen Gegnern Türkei, Tschechien, Bosnien und eben Estland der am niedrigsten gesetzte und damit scheinbar leichteste und hoffentlich bezwingbare Gegner schien. Also saß ich vor dem Bildschirm, brüllte ihn stumm an, daß er endlich Irland aufploppen sollte, und als er es schließlich tat, hätte ich beinahe das gesamte GA-Gebäude zusammengebrüllt.

Das Losglück war diesmal also mit Irland — wenn sie das jetzt noch (also Mitte November) versemmeln, dann haben sie es einfach nicht verdient, bei der Endrunde in Polen und der Ukraine dabei zu sein, und ich will bei den beiden Play-off-Spielen auch keine kontroversen Entscheidungen zugunsten Irlands sehen — egal wieviel John Delaney der UEFA gezahlt haben mag. Wird ja wohl drin sein für die Iren, in zwei Spielen mehr Tore zu schießen als die Esten!

Bochums Partner und Zollamt

Nach einem sehr angenehmen Vormittag im Büro (ich war nicht völlig umsonst da, weil mich immerhin vier Studenten besucht haben) habe ich mich zum Bochumer Zollamt durchgeschlagen, um in Erfahrung zu bringen, ob mein Brief aus Australien dort vielleicht noch liegt.  In dem sollen ein paar Karten liegen, die ich am 26. Juni (dieses Jahres) geordert hatte. Ich dachte mir, daß ein ganzer Monat doch sicher genügen würde, um mir diesen Brief von der anderen Seite der Erdkugel zukommen zu lassen. Doch vermutlich waren alle Flugzeuge dermaßen zugestopft, daß man meinen kleinen Brief einem Dampfer überlassen hat. Jedenfalls war er noch nicht in Bochum angekommen, als ich nach Ende des Semesters nach Dresden aufgebrochen war.

Wenige Tage später erhielt ich von meiner Vermieterin einen Brief, den sie mir freundlicherweise weitergeleitet hat, so daß ich nun wußte, daß der Brief angekommen ist, aber leider beim Bochumer Zollamt liegt, weil außen die Rechnung fehlte und die Beamten entsprechend nicht wußten, ob der Inhalt einen bestimmten Wert überstieg, so daß ich noch Steuern zahlen müßte.

Nach einem lauten Stoßseufzer (weil ich beinahe ahnte, was folgen würde) rief ich im Zollamt an, um zu erfahren, was ich mir eben gedacht hatte: Ich müsse innerhalb von 14 Tagen persönlich erscheinen; den Brief ans Zollamt in Dresden nachzuschicken sei völlig unmöglich. Allerdings könnte ich jemandem eine Vollmacht ausstellen, die Benachrichtigung der Post zuschicken, so daß dieser Jemand dann mit beidem zum Zoll fährt, um mir den Brief zu holen.

Das wiederum wollte und konnte ich niemandem zumuten. Ich hätte sicher einen Kollegen fragen können oder meine Vermieterin, doch statt dessen klammerte ich mich an das winzige Zipfelchen Hoffnung, das etwa zwei Wochen später — also nach Ablauf der Frist — in meinen Briefkasten flatterte: ein weiterer Liebesbrief vom Zollamt, der mir nun mitteilte, daß mein Brief nun mal irgendwann abgeholt werden müsse, ansonsten fielen Lagerungsgebühren an.

Nach Lektüre dieses zweiten Schreibens habe ich nicht nochmals im Zollamt angerufen, sondern eben einfach gehofft, daß er sich auch nach weit über zwei Wochen “Lagerung” noch dort befinden würde.

Das war heute allerdings nicht der Fall. So wie ich gekommen war, mußte ich nur wenige Minuten später wieder gehen: ohne Brief, von dem mir mitgeteilt wurde, daß er sich sich schon wieder auf dem Dampfer zurück nach Australien befindet.

Aus lauter Frust darüber bin ich in einen dieser Billigmärkte gegangen, um dort ein wenig in den bunten, zum Großteil völlig kitschigen und wertlosen Dingen herumzuwühlen, fand dann aber zwei Spielzeuge für Loki, die Katze meines Bruders (die übernächsten Freitag übrigens eine Spielgefährtin bekommt — ich fürchte, daß mein Bruder eine Katzenfarm begründen will) und eines für mich:

Genau: einen kleinen Lautsprecher für meinen älteren iPod, der noch keine eingebauten Lautsprecher hatte, so daß ich den nie zu Hause zur Rundumbeschallung benutzen konnte. Dieses kleine Gerät ist für €5 recht erschwinglich, und wenn er es eine Weile aushält, dann definitiv dieses Geld auch wert. Er beschallt mein Zimmer nicht unbedingt besonders laut, aber das kann nur gut für mein Gehör sein.

Fontana Miranda (2.0) und polnischer Ska

Der Beginn der Sommerexkursion 2011 nach Kleve und Xanten begann wie üblich auf dem Bochumer Hauptbahnhof, Punkt 11 Uhr. 11:25 Uhr sollte unser Zug fahren, und ich brauchte noch eine Fahrkarte. Selbstverständlich wollte ich direkt eine Hin- und Rückfahrt kaufen, daß ich die lästigen Tickets von meiner To-Do-Liste streichen konnte. Doch dieser schöne Plan wurde direkt am Automaten über Bord geworfen, als dieser weder meine Kredit- noch meine Bankkarte akzeptierte. Mich fragend, mit welchen Großeinkäufen ich beide Konten wohl überzogen haben könnte, kaufte ich mit den mir verbliebenen elf Euro zerknirscht nur die Hinfahrt nach Kleve. Später hat sich dann herausgestellt, daß ich auf beiden Konten noch locker im Soll war, nur die Deutsche Bahn wollte meine Karten nicht (und möglicherweise von sämtlichen Kunden über eine bestimmte Zeit) – bis ich im Zug dazu kam, meine Roy Keane-Lektüre fortzusetzen, hat es jedenfalls eine Weile gedauert, was vordergründig nicht daran lag, daß die meisten Studenten “Wer bin ich?” gespielt haben, sondern lediglich daran, daß ich mir Gedanken darüber gemacht habe, von wem ich mir wieviel Geld leihen soll.

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Millennium und Streik

0915 a.m. – auf Bochumer Hauptbahnhof gewesen, Brötchen und Latte Macchiato gekauft.

0920 a.m. – festgestellt, daß mein ICE, der 0935 a.m. fahren sollte, 160 Minuten Verspätung hat.

0925 a.m. – es mir im Bahnhofsgebäude auf einer Bank mit dem Latte gemütlich gemacht und begonnen, die letzten 150 Seiten der Millennium-Trilogie zu lesen.

1015 a.m. – mit nur fünf Minuten verspätetem IC nach Westerland / Sylt bis Dortmund gefahren, um dort in den mit 25 Minuten verspäteten IC nach Leipzig einzusteigen (planmäßig 1028 a.m.).

0308 p.m.Millennium-Trilogie beendet mit dem starken Drang, eine Fortsetzung zu schreiben. Stieg Larsson ist tot, hatte jedoch noch drei weitere Millennium-Bände in Planung, seither aber sitzt seine Witwe auf den Exposés und rückt sie nicht heraus, um interessierte Schriftsteller die Bücher im Stieg-Larsson-Stil schreiben zu lassen. Meine Fragen, denen ich in Unkenntnis der Exposés nachgehen würde, sind:

–  Wie entwickelt sich Lisbeths Freundschaft zu Mikael weiter, nachdem sie ihn wieder in ihr Leben gelassen hat?
–  Wie entwickelt sich Lisbeths Freundschaft / Verhältnis zu Mimi weiter?
–  Werden Mikael und Monica tatsächlich eine Beziehung führen?
–  Wird Jeremy MacMillan tatsächlich als Lisbeths Vermögensverwalter hinwerfen, sobald er 10Millionen Gewinn gemacht hat, und wie wird sie dann mit ihren Finanzen weiter verfahren?
–  Was passiert mit dem Nachlaß von Lisbeths Vater Alexander Zalatschenko; wird ihn Lisbeth tatsächlich verkaufen und das Geld wohltätigen Organisationen vermachen und wenn ja, welchen?

Das sind nur wenige Hauptfragen, die mir spontan in den vergangenen fünf Minuten gekommen sind, was bereits darauf hindeutet, daß Larsson in der Tat vorhatte, Millennium keine Trilogie werden zu lassen, sondern vielleicht so etwas wie eine Reihe ähnlich Inspektor Wallander mit einem Hauptheld – oder auch zweien, die auf besondere Weise miteinander verbunden sind und am Ende von Band Drei gerade begonnen hatten, wieder zu einer entspannten Beziehung zueinander zu finden.

0440 p.m. – kurzer Einwurf: nachdem ich soeben in einen IC von Frankfurt / Main kommend nach Dresden Hbf fahrend eingestiegen bin, habe ich über die Zugansage ein weiteres Wort für meine Sammlung „sinnloses Bahnvokabular“ aufgeschnappt habe:

Snackpoint, der, Ort in einem Fortbewegungsmittel der Deutschen Bahn AG, an dem man allerlei überteuerte Knabbereien und Getränke erstehen kann.

0540 p.m. – Ankunft und Ausstieg aus Zug auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Nachdem ich keinerlei Lust verspüre, mir selbst ein Abendbrot zu basteln, hole ich mir bei Subway im Bahnhof ein Putensandwich. Dies ist erst mein drittes Sandwich überhaupt, das ich bei dieser Kette erwerbe. Zum ersten Mal habe ich in Kiel eines von Henning B. spendiert bekommen; zum zweiten Mal gab es ebenfalls ein Putensandwich vor zwei Tagen, als ich ohne Umsteigen von Dresden nach Bochum gefahren bin.

0600 p.m. – zu Hause.