Zunächst einmal herzlichen Dank an diejenigen bei der DB, die mein Anliegen gelesen, überdacht und mir eine Antwort übermittelt haben. In Grundzügen war es die, die ich erwartet habe: Ein recht allgemein verfaßtes Schreiben, von dem mir als ehemaligem Bahnangestellten so ziemlich alles bekannt war. Nur der kleine Zusatz, daß man die unschönen Zustände auf dem Bahnhof Neukirch (Lausitz) Ost eingehender untersuchen (und hoffentlich verbessern) möchte, läßt mich noch immer hoffen. Ich und meine Eltern werden jedenfalls im Auge behalten, ob sich in der Hinsicht noch etwas tut — andernfalls muß ich wohl erneut einen Brief schreiben. Im folgenden möchte ich also das Antwortschreiben zitieren, um auch die Bahn zu ihrem Recht kommen zu lassen:


[Anrede],

vielen Dank für Ihre E-Mail, und dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Ihre Anliegen zu schildern. Ihre Eingabe wurde uns als DB Regio Südost vom DB Twitter-Team zugeleitet. Gern nutzen wir die Gelegenheit, Ihnen einige Hintergründe zum Nahverkehr in Sachsen zu erläutern. Auch möchten wir auch auf Ihre Bahnfahrt am 09. April 2012 eingehen.

Vorab möchten wir uns bei Ihnen dafür entschuldigen, dass die Zugfahrt am Ostermontag ab Neukirch(Lausitz) Ost, aufgrund der hohen Auslastung unseres Zuges, nicht mit dem Komfort verlief, welchen Sie sich erhofft hatten. Sicher haben wir versucht, der hohen Kundennachfrage, besonders an den Osterfeiertagen, entgegen zu wirken. So sollte, wie auch von Ihnen vorgeschlagen, der RegionalExpress 5252 vom 06. bis 09. April 2012 mit zwei Triebwagen verkehren. Aufgrund einer sehr kurzfristigen Triebfahrzeugstörung konnten wir diese Verstärkung am 09. April 2012 leider nicht umsetzen. Dass diese Reduzierung des Platzangebotes für unsere Fahrgäste sehr unangenehm war, bedauern wir sehr.

[Anrede], sicher haben Sie sich auch gefragt, warum der Nahverkehr der Bahn, besonders in ländlichen Gebieten, in den vergangenen Jahren teilweise verringert wurde.

Wie Sie eventuell bereits wissen, gab es mit der Bahnreform im Jahr 1993 umfangreiche Änderungen in der Struktur und Organisation im DB-Konzern. Dies betraf auch in besonderer Form den DB-Nahverkehr.

Mit der Regionalisierung des öffentlichen Personennahverkehrs ist die Verantwortung dafür in Sachsen-Anhalt und Thüringen auf das Land und in Sachsen auf die kommunalen Zweckverbände übergegangen. Das Land beziehungsweise der Zweckverband erhält vom Bund entsprechende Gelder zur Finanzierung eines Grundangebotes im Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Die Leistungen im SPNV werden durch die Länder und Zweckverbände ausgeschrieben, worauf sich alle europäischen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) bewerben können. Der Besteller entscheidet anschließend über die finale Vergabe der betreffenden Verkehrsleistung.

Der Bestellumfang und die zeitlichen Lagen der Züge auf den jeweiligen Strecken orientieren sich dabei an der Nachfrage, aber auch an den regional unterschiedlichen verkehrs- und raumstrukturellen Rahmenbedingungen. Die Gelder dafür stehen jedoch nicht in unbegrenzter Höhe zur Verfügung. Etwaige Angebotsverbesserungen, wie zum Beispiel zusätzliche Züge auf einer Strecke, sind deshalb oft nur durch Einschränkungen auf anderen Strecken realisierbar. In manchen Regionen ist die Nachfrage jedoch so gering, dass Verkehrsleistungen nicht mehr bestellt und finanziert werden. Dadurch entsteht bei den meisten Menschen der Eindruck, dass die DB Strecken „stilllegt“.

Sehr geehrter [Anrede], selbstverständlich haben wir auch Ihre kritischen Hinweise zum Bahnhof Neukirch(L) Ost zur Kenntnis genommen. Da hierfür der Unternehmensbereich DB Station & Service AG, Bahnhofsmanagement Dresden zuständig ist, haben wir Ihr Schreiben, als Anstoß zur Verbesserung, auch dorthin weitergeleitet.

Abschließend möchten wir uns für Ihre offenen Worte bedanken. Wir möchten Sie bitten, uns weiterhin mit einem wohlwollenden und einem kritischen Auge zu betrachten. Für Ihre zukünftigen Fragen und Anliegen zum Nahverkehr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen wir gern als Ansprechpartner zur Verfügung.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns weiterhin als Kunde treu bleiben und das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bahn bevorzugen. Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen aus Leipzig.

i. A. Heiko Hoppe

One thought on “Antwort der Deutschen Bahn auf meinen Offenen Brief vom 30. April 2012

  1. Für den Zustand des Bahnsteigs und des Unkrauts müssen Sie sich direkt an “DB Station und Service” wenden. Das ist die Gesellschaft, denen die Bahnsteige in Deutschland gehören. DB Regio Südost ist nur ein reines Verkehrsunternehmen, das die Züge betreibt. Vergleichbar mit einem Reisebusunternehmen. Die führen nur die Fahrten durch und haben mit der Pflege der Bahnsteige und Anlagen nichts zu tun. Ansonsten kann ich Ihnen aber nur zustimmen: Es wird eindeutig zu wenig in die Instandhaltung vieler Stationen investiert, wie man in Neukirch sehen kann. Das betrifft nicht nur kleine Bahnhöfe. Selbst in mittelgroßen Städten hat man oft den Eindruck, dass dort seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht wird. Ausnahme sind nur große Metropolen wie Dresden Hbf, Leipzig oder Berlin. Dort befinden sich dann die “Einkaufszentren mit Gleisanschluss”.

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